Beleidigte Brüsseler Autokraten und gekränkte deutsche Männer

Posted on Juli 9, 2016

0


Dass nationale Interessen nicht antieuropäisch sind, sondern gegen die EU verteidigt werden müssen, die nicht identisch ist mit Europa, ist in der Schweiz allgemein bekannt, Deutschen aber nicht ohne weiteres begreiflich, die keine Grenzen mehr kennen, bzw. wieder nicht…

Eine gute Einschätzung der Reaktionen der EU auf den Entscheid in GB von Jörg Baberowski. Basler Zeitung vom 8. Juli 16:

Wiederbelebung der Demokratie

  • Nun haben die Bürger Grossbritanniens also doch getan, was schon niemand mehr für möglich gehalten hätte. Sie haben sich gegen den Verbleib ihres Landes in der europäischen Union ausgesprochen. Aber in Deutschland will man davon nichts wissen. Volksabstimmungen seien schlecht, sagen die einen, weil die Bürger zu dumm seien, um richtige Entscheidungen zu treffen. Die anderen empfehlen, die Abstimmung zu wiederholen, weil die Dummen am Ende doch begriffen hätten, dass man sie betrogen habe. Der Glaube an die Erziehbarkeit der Bürger scheint in Deutschland ungebrochen zu sein. Man müsse nur lange genug auf die Verblendeten einreden, sagen die Erzieher, dann kämen sie schon noch zur Vernunft. In jedem Fall aber sind sich alle im deutschen Parlament vertretenen Parteien einig: Dass der Brexit ein Fehler gewesen sei, dass die Alten mit ihrem Votum den Jungen alle Zukunfts-Perspektiven genommen hätten und dass es nun an der Zeit sei, die Mitgliedsstaaten der europäischen Union enger aneinanderzubinden. Wer nicht gehorcht, wird bestraft: Die europäische Kommission gab der Regierung in London sogleich zu verstehen, dass sie eine Sezession Schottlands unterstützen werden, weil dort richtig abgestimmt worden sei. So sprechen auch Juncker und Schulz, die Anwälte der Autokratie. Sie fürchten um ihre Ämter, wenn auch andernorts geschehen sollte, was in Grossbritannien schon vollzogen worden ist.
  • Warum aber machen sich deutsche Abgeordnete die Rhetorik von Kommissaren zu eigen, denen der Wille der Wähler einerlei ist? Müsste man nicht darüber nachdenken, wie die Welt aus der Perspektive derjenigen aussieht, die sich für den Brexit ausgesprochen haben? Könnte es nicht sein, dass auch sie gute Gründe dafür haben, sich so und nicht anders entschieden zu haben? In jedem Fall haben sich die Bürger ihr Recht auf Mitbestimmung zurückerobert. Woher nehmen deutsche Politiker überhaupt die Gewissheit, dass die Bürger dümmer als sie selbst sind? Welcher Abgeordnete weiss überhaupt, worüber er abstimmt, wenn ihm Gesetzesvorlagen zugestellt werden, die er nicht versteht? Haben die meisten britischen Jugendlichen wirklich für einen Verbleib Grossbritanniens in der EU votiert? Nein. Sie sind gar nicht erst zur Wahl gegangen, weil sie die Abstimmung nicht für ein Ereignis gehalten haben, das sie etwas angeht. Jeder weiss, dass junge Menschen, die keine Rente mehr bekommen werden und ohne Entgelt arbeiten müssen, weil sich für ihre Rechte keine Gewerkschaft mehr verwendet, von der Politik nur noch wenig erwarten. Im Süden Europas sind mehr als ein Drittel alle jungen Menschen arbeitslos. Was sollen sie mit einem Projekt anfangen, das ihnen zwar vieles vorschreibt, aber nichts ausser Reisefreiheit zu bieten hat?
  • Die Bürger Grossbritanniens haben sich auch gegen die Politik der offenen Grenzen entschieden, die Kanzlerin Merkel Europa aufzwingen will. Der Sozialstaat kann nicht überleben, wenn die ganze Welt eingeladen ist, sich zu nehmen, was andere hart erarbeitet haben. Die nationale staatliche Souveränität ist ein kostbares Gut, das die Freiheit sichert. In Grossbritannien, wo die Pragmatiker immer schon zu Hause waren, weiss man davon mehr als in Deutschland. Wenn gelingt, was der Brexit verspricht, werden andere Staaten dem britischen Beispiel folgen. Zwar sind freie Entscheidungen mit Risiken verbunden, aber das Risiko gehört zur Freiheit, so wie Vielfalt und Verschiedenheit zu Europa gehört.
  • _________________________________________________________________________

Der Artikel von Baberowski über die deutschen Männer, die „das Prügeln verlernt“ haben,  erregte heftigen Unmut bei sog. konservativen Anhängern des heroischen dt. Mannestums,  dessen real existierende Exemplare der Invasion der Barbaren nicht gewachsen sind und die Schuld daran den Frauen geben.    

http://www.n-tv.de/panorama/Forscher-Maenner-haben-das-Pruegeln-verlernt-article17735346.html

Nicht nur Gewaltforscher wie Jörg Baberowski, der mit den   Massenmorden allein des letzten Jahrhunderts vertraut ist, die millionenfach von Männern der verfeindeten politischen Lager begangen wurden an der Zivilbevölkerung, weiss, was eine demokratische Staatsform und die zivilisierte Gesellschaft wert ist; Massenmorde von staatlicher Seite oder von nichtstaatlichen Organisationen – vom Männerterror der Diktaturen, den Todesschwadronen der Juntas, den Killerkommandos von «Rebellen» bis zum unsymmetrischen Krieg (gegen die Ungläubigen) aus dem moslemischen Kulturkreis – werden weiterhin weltweit verübt von Männern, ob nun religiös begründet wie die Greueltaten der Männer des IS oder von Boko Haram an Frauen und Kindern, oder wie die nicht abreissenden Frauenmorde in Mexiko, die keine ideologische Grundlage haben. Nur in Gesellschaften mit staatlichem Gewaltmonopol und demokratischer Staatsform ist die Männerhordengewalt zurückgebunden, sofern das staatliche Gewaltmonopol funktioniert. Tut es das nicht mehr, wie heute in Deutschland, dessen politische Führung die Bevölkerung, das eigene Volk, den einfallenden Männerhorden aus Primitivkulturen aussetzt, handelt es sich um den Rückfall der Zivilisation in die Barbarei. Dass Männer «das Prügeln verlernt» hätten, wie Baberowski feststellt, gehört zu den modernen Errungenschaften der Zivilisation, macht aber bei Versagen des staatlichen Gewaltmonopols wehrlos. Nicht mehr, nicht weniger stellt der Gewaltforscher fest. Das wurmt die Mannen aus den Herrenzimmern, die noch dem preussischen Tabakkabinett nachtrauern. der Dass flankierend zu den nicht abreissenden Vergewaltigungen auch die Männer in Deutschland den einfallenden gewalttätigen Horden aus afrikanischen und arabischen moslemischen Primitivkulturen ausgesetzt sind, dass Unbewaffnete jeden Alters jederzeit von Horden angegriffen, von Messerstechern und Kopftretern attackiert oder ermordet werden können, ohne dass die Medien davon Notiz nehmen, ist die Kapitulation des Rechtsstaats vor der Gewalt der atavistischen Männerhorden, die als Invasoren einfallen, unregistriert, unkontrolliert, und vor allem unsanktioniert, wenn sie gefasst werden und mit Scheinstrafen wieder entlassen.

(Dass die moslemische Hordengewalt, die sich in den Asylzentren gegen Ungläubige austobt, und danach auf den deutschen Strassen wütet gegen Frauen, nichts mit dem Islam zu tun hat, wie Baberowski schreibt, das sehen die Christen in den Asylzentren und alle, die wissen, mit welchem Kulturkreis sie es bei den Grapscherhorden zu tun haben, wohl anders. Man sollte diese Männer m.E. auch nicht nur ins Gefängnis bringen, sondern ausschaffen.)

Die Bildung von Bürgerwehren liegt nahe, wo das staatliche Gewaltmonopol versagt und von einer verbrecherischen Politik ganz unverhohlen aufgegeben wird. Der staatliche Rechtsbruch berechtigt zum Widerstand. Demokratisch legitimer Widerstand wäre Abwahl der Führung. Ob das in Deutschland noch denkbar ist, ist zu bezweifeln, die deutschen Reaktionen auf den Brexit und die Ignoranz der EU gegenüber der britischen Demokratie legen das Defizit offen.

In Deutschland offenbaren die schweren Mangelerscheinungen der demokratischen Debatte bzw. die systematische Debattenverhinderung und die Dämonisierung der Meinungsgegner noch eine alte deutsche Eigenart der Herdenmentalität, den «autoritären Charakter», den man an Prototypen wie Stegner studieren kann und den chronischen Wortabschneiderinnen à la Maischberger. Die Freiheit der politischen Debatte, wie die in GB geführt wurde und wird, ist diesen Leuten zutiefst suspekt und fremd. Sie merken nicht mal, wie sie wirken auf ausländische Zuschauer.

Es ist eine im Grunde patriarchalische Denkstruktur, die zuinnerst dem Recht des Stärkeren huldigt. Sie britische Demokratie folgte der Bevormundung aus Deutschland nicht, Schulz stand die Beleidigung ins Gesicht geschrieben. Die Konsternation war gross, weil GB sich die Freiheit genommen hat, die die EUrokraten abschaffen wollen. Feindbild Demokratie und GB. Das ist schon recht älteren Datums. Nicolaus Sombart hat es analysiert in seinem Buch: «Die deutschen Männer und ihre Feinde», und zwar in besonderer Hinsicht auf das Verhältnis Deutschlands zu Grossbritannien, wo zwei Zeitalter nach einer Regentin benannt wurden (und wo wieder zwei Kandidatinnen zur Wahl stehen).

Es sind noch heute die von Frauenrechten frustrierten deutschen Möchtegern-Männer, die sich in rechten blogs mullahmässig gegen Frauenrechte austoben (notabene Frauenrechte, die von den Linken und von den Grünen verraten wurden, statt sie gegen den Islam zu vertreten) und Frauen für die Wehrlosigkeit der zivilisatorisch gezähmten Männer verantwortlich machen. Die Mannen fühlen sich entmannt. Ein Ressentiment als Backlash gegen die Reform des vormodernen Eherechts?- was auch immer, die alten Krauter (wie eine userin auf PI sie treffend nannte) hocken in der Grummelecke und knurren und murren und schmollen und grollen, dass Frauen politische Mitspracherechte haben, die sie am liebsten verbieten würden. Der brodelnde Antifeminismus geht weit über die berechtigte Wut gegen die linksgrüne Brut hinaus, die ihren Verrat an allen Frauenrechten auch noch unter dem Etikett des Feminismus verkauft. Dabei kommt ihnen Merkel als Musterfrau für weibliches politisches Unvermögen, das in der Tat eklatant ist, gelegen. Nur: Es ist zu bezweifeln, dass diese Fatalität für Frauen typisch sein soll oder nicht eher ein deutsches Phänomen ist. Dass man diese eigenmächtige Undemokratin aus Stasiland machen lässt, dass niemand sie aufhält in diesem autoritären Untertanenland, wo ein geistiger Vorgartenzwerg wie Maas sich anmasst, kritische Köpfe zu zensurieren (und aus der Debatte zu eliminieren), sagt weniger über Frauen aus als über die Demokratie, die in Deutschland ein Fremdkörper geblieben zu sein scheint. Die willigen Helfer sind alle wieder da.

Der Vergleich von Merkel mit Thatcher, den man gelegentlich in deutschen Zeitungen lesen konnte, zeugt von umfassender Ahnungslosigkeit. Merkel verfügt über kein Gramm der Kapazitäten und Führungsstärke, die Thatcher auszeichnete. Man konnte der Sphinxmaske im Kanzleramt alles andichten, was nicht vorhanden ist – das ganze Defizit wurde mit dem Asyldesaster definitiv offenbar. Im Interview mit Will offenbarte Merkel das Ausmass ihrer Inkompetenz für das Amt – ohne leiseste Reaktion des Parlaments auf diesen politischen Offenbarungseid. Das ist ein deutsches Debakel.

Ob sich die Demokratie in Deutschland wiederbeleben lässt, bezweifle ich. Für die rechten Alt-Antifeministen, für die die Frauen auch an beiden Weltkriegen schuld sind (!!die Hitler-Wahl war wahrlich keine Frauenwahl, NSDAP und Deutschnationale waren mit klarer Männermehrheit der Wähler dabei, wie die Studie von Gabriele Bremme u.a. belegt haben)

ist die Femme fatale im Kanzlerbunker nicht die Verkörperung eines deutschen Unwesens als vielmehr eines Übels, das schon im Mittelalter als Unheil des Mannes erkannt wurde. Auch ein sonst intelligenter und erfrischender Bursche wie Roger Köppel teilt übrigens uns aus dem Schatzkästchen salomonischer Weisheiten mit, dass die Frau das Verderben des Mannes ist (und immer die Karrieren der Männer ruiniert, grins).

Advertisements