Sebastian Castellio – ein früher Kämpfer gegen Religionsterror

Posted on Oktober 30, 2015

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Befürworter der religiösen Toleranz im Zeitalter der grossen Glaubenskonflikte in Europa Castellio

Sebastian Castellio, der in Basel Zuflucht gefunden hatte vor den Nachstellungen des Religionsdespoten Calvin, der auch ihm nach dem Leben trachtete nach der Verbrennung des vermutlich jüdischen Arztes spanischer Herkunft Michael Servet in Genf,  wogegen Castellio protestierte – Stefan Zweig hat sein Lebenswerk gewürdigt (> «Ein Gewissen gegen die Gewalt») und die Machenschaften Calvins, der in Genf mit eisernem Besen als Säuberer gegen seine Gegner wütete, glaubhaft belegt – , hätte in Basel schon lange ein Denkmal oder eine öffentliche Würdigung verdient. Es gibt nichts dergleichen ausser einem abgelegenen Castellio-Weglein im Alban-Quartier, das zum Rhein hinunter führt.

Die Erinnerung an den Lehrer der Religionstoleranz, die heute wieder extrem bedroht ist von einem älteren Religionsterror, der Europa heimsucht, passte den Calvinisten in der Schweiz schlecht. Ein Artikel von Michael Meier, der zum 500-Geburtstagsjubiläum von Calvin in der Basler Zeitung erschien unter dem Titel: «Johannes Calvin: ein Religionsterrorist?», ist dort nicht mehr aufzutreiben, so wenig wie im Tages-Anzeiger. Hier noch ein Auszug aus

Johannes Calvin – ein Religionsterrorist?

https://brightsblog.wordpress.com/2009/06/15/johannes-calvin-ein-religionsterrorist/Veröffentlicht am Juni 15, 2009 von nickpol |

  • Die Veranstalter des Jubiläums zum 500. Geburtstags des Reformators zeichnen ein Weichbild dieses Zuchtmeisters. Durch die Weltliteratur zieht er als religiöser Robespierre.
  • Johannes Calvin, der von Genf adoptierte Franzose, gilt als der «Schweizer» mit der grössten Wirkungsgeschichte. Er hat die Reformation globalisiert und exportiert – nach Frankreich, Polen, Ungarn und über die Seemächte Niederlande und England auch in die Neue Welt der US-Puritaner. Entsprechend aufwendig wird das 500-Jahr-Jubiläum für den am 9. Juli 1509 in Noyon geborenen Calvin begangen. Der nationale Festakt vom kommenden Sonntag in Genf mit Bundesrat Moritz Leuenberger ist nur ein Highlight im bunten Veranstaltungsreigen.
  • Gottesfürchtiges Epizentrum
  • Gefeiert wird ein Glaubensflüchtling, der in Paris wegen lutherischer Ketzerei angeklagt, 1536 nach Genf kam und aus dem Stadtstaat als Pfarrer binnen zweier Jahrzehnte ein «leuchtendes Beispiel einer christlich erneuerten Republik» machte. Der schottische Reformator John Knox nannte Genf «die perfekteste Schule Christi seit den Tagen der Apostel». Die gottesfürchtigen, sittenstrengen Menschen der Modellgemeinschaft liessen in Genf ein wirtschaftlich florierendes Zentrum erblühen, das auf fast ganz Europa ausstrahlte.
  • Durch die Weltliteratur allerdings geistert der Reformator als «Theokrat» und «Religionsterrorist». Für Honoré de Balzac war «Calvins wütende religiöse Intoleranz moralisch geschlossener und unbarmherziger als die politische Intoleranz Robespierres». Stefan Zweig verglich ihn 1936 in «Ein Gewissen gegen die Gewalt. Castellio gegen Calvin» mit dem Despoten Hitler: «Nie hat Genf so viele Bluturteile, Strafen, Foltern und Exile gekannt, als seitdem dort Calvin im Namen Gottes herrscht.»
  • Nieder mit den Miesmachern
  • Bis in unsere Tage treibt der Zuchtmeister religiös sensible Seelen um. Für den Romancier der Sehnsucht, den Büchner-Preisträger Arnold Stadler, ist Calvin «eine der abscheulichsten Figuren», von denen er weiss. «Er kommandierte einen frühen Religionsterrorstaat und nannte sich christlich, als hätte es den Jesus Christus der Evangelien nie gegeben», heisst es in Stadlers neuem Roman «Salvatore».
  • «Nieder mit den Miesmachern», ruft demgegenüber Serge Fornerod, Leiter des Projektes Calvin 09 im Schweizerischen Evangelischen Kirchenbund, der Festgemeinde zu. Sie solle Calvin «trotz allem feiern und ehren, ohne Lärm und Getöse, aber auch ohne falsche Bescheidenheit und gespielte Schuldgefühle». So geht der Streit in die nächste Runde: Wer war Johannes Calvin? Die Jubiläumsmacher versichern, seine Ecken und Kanten durchaus wahrzunehmen, jenseits der Dämonisierung allerdings.
  • Calvin: Süss wie Schockolade
  • Der Verdacht drängt sich auf, dass das Jubiläum uns die widerborstige Figur des Reformators versüssen soll. Mit der eigens kreierten Schokolade Calvin 09, einer «harmonischen Verbindung aus bolivianischer Grand-Cru-Sauvage-Schokolade und speziellen Gewürzen». Und mit verschiedenen Weinen – «In calvino veritas.»
  • Wein zu Ehren Calvins, der 1546 alle Wirtshäuser Genfs zugunsten von Abteien schliessen liess, in denen das Volk der Bibellektüre frönte. Schokolade, süss und sinnlich, für den Zuchtmeister, der selbstbeherrscht und gramgebeugt alle irdischen Genüsse verachtete – Tanz, Musik, Gastmähler, Geselligkeiten. Zeitlebens von Kopf bis Fuss in Schwarz gekleidet, zelebrierte er den Sieg des Geistes über seinen ausgezehrten Körper. Seine kurze Ehe mit Idelette halten Experten für ein blosses Experiment der Rundumbetreuung.

Wir würden gerne weiterlesen, aber die heutigen Zuchtmeister des Glaubens haben offensichtlich etwas dagegen, wie Meier schon erwähnt. Auch am Bild des Profeten darf man nicht rütteln in gewissen Religionskreisen, die den Religionskritikern den Mund verbieten. Der Tugendterror ist nur zu gut bekannt.

____________________________________________Prompt meldeten sich die Apologeten zu Wort. Ihre Argumente, die Calvin vom Mordvorwurf im Fall des „Ketzers“ Servet zu entlasten versuchen, gleichen auffallend den Apologetenargumenten  aus dem katholischen Milieu, das die Inquisition primär der weltlichen Gerichtsbarkeit zuschreibt,  am besten den „Hexen“ selber, die sich gegenseitig belastet hätten. 

Der Ketzer hat den Prozess «provoziert»!

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Zum Prozess Michael Servet

http://www.reformiert-info.de/side.php?news_id=2598&part_id=0&part3_id=105&navi=18

http://www.reformiert-online.net/t/de/bildung/grundkurs/gesch/lek3/lek3_4.jsp

  • Der Streit um Michael Servet ist der bedeutendste Streit Calvins in Genf. Gelegentlich wird er so geschildert, dass Calvin sich mit Hilfe des Rates eines unbequemen Gegners entledigt habe und so seine Grausamkeit und Härte offenkundig werde. Das aber ist zu einfach. Deshalb wird hier der Streit etwas ausführlicher dargestellt. Michael Servet wird 1511 in der Nähe von Aragon geboren und gerät 1531 in Straßburg und Basel mit den Reformatoren in einen Streit über die Frage, ob das Wort Gottes ganz Mensch geworden ist; auch hinsichtlich der Ketzerverfolgung gibt es Auseinandersetzungen.

Das theologische Establishment bezeichnet Servets Antwort an Calvin, der den Druck eines Werks von Servet ablehnt, als “beleidigend”. Religionsaufseher sind leicht beleidigt, kennt man das nicht? Die zitierte Schilderung der Verfolgung, Festnahme, Verurteilung und dann der Verbrennung Servets mit voller Zustimmung, ja auf heftiges Betreiben Calvins, dessen Säuberungaktionen in Genf Wirkung zeigen, ist in der Apologetenversion der Calvinisten eine einzige Weisswäsche der treibenden Kraft hinter der Ketzerverbrennung, und eine sehr durchsichtige:

  • Servet aber flieht, und so verbrennt man ihn gleichsam in Abwesenheit, das heißt, man verbrennt seine Bücher. Servet will sich in Neapel niederlassen. Dorthin reist er törichterweise über Genf. Kaum dort angekommen, wird er auf Verlangen Calvins am 13. August 1555 festgenommen. Der Magistrat ergreift sofort gegen Servet Partei, was Calvin so gar nicht erwartet hatte. Ja noch mehr: Der Rat der Stadt macht sich die Anklage selber zu eigen. Daraufhin wird das Gutachten der anderen Kantone eingeholt, aber bevor die eintreffen, stellt der Rat der Stadt eine eigene Anklage zusammen, und zwar durch einen Gegner Calvins. In Vienne wird Servets Auslieferung verlangt. Aber die Genfer Richter sind der Meinung, dass sie selber richten sollen und liefern Servet nicht aus. Servet ist sich des Ernstes seiner Lage nicht bewusst. Er hofft auf das Eingreifen der Opposition. Calvin hingegen wünscht sich durchaus den Tod Servets. Doch ist Calvin dagegen, dass er einen Feuertod, die Todesstrafe für Ketzer, erleidet, sondern lieber einen weniger spektakulären und schmerzhaften.

Wäre er dagegen gewesen, er hätte es mit Leichtigkeit verhindern können, denn er war eine gefürchtete despotische Autorität in Genf, die nicht nur Servet beseitigte.

  • In den Verhören zeigt sich übrigens, dass Servet den Hass seiner Gegner geradezu herausfordert; er bezichtigt Calvin offenkundiger Ketzerei und fordert auf, dass ihm als Ausgleich für seine Leiden alles, was Calvin gehöre, übereignet werden solle. Die Gutachten aus Basel, Bern, Schaffhausen und Zürich treffen ein und bekunden einmütig, dass man sich Servets entledigen solle. Das geschieht dann auch, am 26. Oktober 1555 wird er zum Tod durch Verbrennen verurteilt, am Tage drauf wird das Urteil vollstreckt, obwohl Calvin und die anderen Pastoren eine weniger grausame Hinrichtungsart gefordert hatten.

Ach ja, der Führer hat von nichts gewusst.

  • Calvin hat am Tode Servets indirekt mitgewirkt, ihn freizusprechen von einer Schuld hieße, Unrecht gutzuheißen. Calvin hat sich den Tod Servets gewünscht. Er hat auch, indem er die Briefe weitergab, am Prozess mitgewirkt. Er hat nicht versucht, den Rat aufzuhalten, was er aber ohnehin kaum gekonnt hätte. Er trägt einen deutlichen Anteil der Schuld am Tode Servets – nicht mehr.

Das ist pure Schönschreiberei der von Calvin gewüschten und verursachten Grausamkeit, die den mächtigen Reformator Genfs als untergeordneten “Mitwirkenden” hinstellt wie einen Befehlsempfänger höherer Gewalten. Er verkörperte diese Gewalt.

  • Aber man wird nicht sagen können, dass es ein Verfahren Calvins gegen Servet war. Keine andere Stadt hätte anders gehandelt. Vor und nach Servet sind Hunderte von Ketzern hingerichtet worden, von protestantischen und katholischen Herrschaften.

Was für eine faule Ausrede! Weil damals viele verbrannt wurden,  soll Calvin an diesem Verbrechen quasi unschuldig sein. Da kann sich dann jeder KZ-Wärter darauf berufen, dass er ja nicht der einzige war.

  • Melanchthon gratuliert übrigens Calvin für sein Vorgehen. „Calvin war wie alle anderen Reformatoren davon überzeugt, dass es die Pflicht der christlichen Obrigkeit sei, Gotteslästerer, die die Seele töten, ebenso mit dem Tode zu bestrafen wie Mörder, die den Leib töten.“ (F. Wendel, 78)

Macht das das Verbrechen besser, dass ihm jemand dazu gratuliert?

  • Man kann heute den Richtstab über Calvin werfen. Das ist leicht. Aber man unsere heutigen modernen Maßstäbe nicht direkt auf Calvins Handeln übertragen können: Es spiegelt auch den Geist des 16. Jahrhunderts.

Alle Ketzerverbrennungen spiegeln den Ungeist der Ketzer-Verfolgungen. Die Verbrennerversteher sterben nicht aus. Zum Geist der Zeit ist zu sagen, dass Castellio aus derselben Zeit stammte wie Calvin, aber einen anderen Geist verkörperte.

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http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/zeitwort/-/id=660694/11ud7dk/index.html

Rudolf Linssen über Servet: SWR2 27.Okt.09:

Eine Reinwaschung Calvins und eine Besudelung Servets, der sich laut Linssen vor dem Genfer Gericht als ein „ehrgeiziger arroganter“ Zeitgenosse erwiesen habe; ein „Ein-Mann-Denker“ (was dagegen?), dessen Ideen längst auf dem Scheiterhaufen der Geschichte gelandet seien! Dass die Genfer ihm nachträglich ein Denkmal setzten, erklärt der Ketzerspürhund, der noch ein paar Scheite nachwerfen zu müssen glaubt, damit, dass nach der reformierten Lehre auch Verbrecher als Menschen zu achten seien, womit die Verbrennung indirekt gerechtfertigt wird. Worin nur bestand die „Arroganz“ des Ketzers? Dass er die Verfolger und Ketzerrichter nicht genügend respektierte? Welche seiner Ideen sind auf dem Scheiterhaufen der Geschichte gelandet? Vielleicht die Anfechtung des Trinitats-dogmas? Ist dessen Wahrheit durch die „Geschichte“ erwiesen oder was will der Ketzerexperte sagen. Ist die Idee Servets, dass des “Sünden erst ab dem Alter von 20 Jahren (gibt) und man kann sie mit bestimmten Mitteln (Taufe, Abendmahl, gute Werke) auslöschen”, vielleicht eine Vorausnahme des Gedankens des modernen Jugendstrafrechts?

http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/zeitwort/-/id=5392722/property=download/nid=660694/v7on3j/swr2-zeitwort-20091027.pdf

  • Immer neue Polemiken tauchen gegen Calvin auf, auch auf dem Buchmarkt. Unter anderem die Schrift eines gewissen Michael de Villeneuve, ein Pseudonym, das rasch enträtselt wurde und hinter dem Michael Servet stand. Dieses Buch ist ein Sammelsurium von theologischen Ideen, die Servet wie ein postmoderner Mensch zu einer neuen theologischen Lehre, zu einer neuen religiösen identität zusammenfügt. Servet ist keiner Schule zuzuordnen. Er ist so eine Art Ein-Mann-Denker. Ein geistiger Sammler. Ein religiöser Tüftler. Es läuft bei ihm darauf hinaus, dass Gott den Menschen in verschiedenen Gestalten und unter verschiedenen Namen erscheint und sie zur Gerechtigkeit führen will. Das klingt bei Servet irgendwie religionsvermengend und ist es auch. Theologisch wirft man Servet vor, er leugne die Trinität, und das ist auch irgendwie richtig. Seinem Buch hängt er noch dreissig Briefe an, die er an Calvin geschrieben hat und in denen er dessen Lehre heftig angreift. Die Polemik ist deftig, aber in dieser polemikreichen Zeit aber auch nichts besonderes, wenn denn der Papst schon der Antichrist ist und Luther die Wildsau. Servet macht alles nieder, was den Katholischen und den Lutherischen heilig ist. Die katholische Inquisition lechzt danach, Servet zu brennen. Er wird gefangen gesetzt, zum Tode verurteilt, kann aber fliehen und will über Genf nach Süditalien entkommen, In Genf wird er entdeckt und verhaftet. Es kommt zum Prozess, und Servet erweist sich darin als ehrgeiziger und arroganter Zeitgenosse. Aber er ist auch als Mann ohne Hintermänner eine harmlose Figur. Im Prozess soll nun Calvin helfen und dem Richter Beweismaterial aushändigen. Calvin tut es wider sein Gewissen und schickt damit Servet ins Feuer. Später schreibt der deutsche Reformator Melanchthon dem Schweizer Reformator Calvin, er habe recht getan. Man könnte Calvin vorwerfen, dass er einen lästigen Wadenbeisser totgetreten hat, und dass er gegen die Grundsätze seiner eigenen theologischen Auffassung gehandelt hat. Servets Ideen landen auch auf dem Scheiterhaufen der Geschichte. Aber ein Jahr später, 1554, tritt ein Sebastian Castellio auf mit einer Sammlung von Zitaten der Reformatoren, darunter vielen von Calvin, mit denen Castellio energisch dafür eintrat, in Glaubenskämpfen keine Gewalt anzuwenden. Innerhalb der Calvinisten haben zuerst die niederländischen Arminianer sich diese Forderung zu eigen gemacht, später tritt auch Calvin selbst hinzu. Vielleicht ein späte Sühne für das Opfer Servet.
  • Die neu gewonnene theologische Einsicht, unter anderem die der sogenannten Rechtfertigungslehre, besagt nämlich, dass der Mensch nicht die Summe seiner Taten ist, nicht die Summe seiner Werke, wie sie theologisch genannt werden, und dass es grundfalsch ist zu meinen: Geraten seine Taten, ist der Mensch geraten. Missraten seine Taten, ist der Mensch missraten. Auch der Verbrecher, auch der als Ketzer verbrannte Selfmademan Michael Servet ist eine Person, die eine unverletzbare Würde hat. Die menschlichen Taten machen den Menschen nicht zum Unmenschen. Die Kategorie des Unmenschen ist vielmehr selber eine unmenschliche Kategorie.
  • Die Genfer wissen das, als sie am Ort der Hinrichtung dem Michael Servet ein Denkmal setzen. Es trägt die Inschrift: Wir ehrerbietigen und dankbaren Söhne Calvins, unseres grossen Reformators, aber einen Irrtum verurteilend, der ein Irrtum seines Jahrhunderts war, und streng gebunden an die Freiheit des Gewissens, gemäss den wahren Grundsätzen der Reformation und des Evangeliums, haben dieses Sühnedenkmal errichtet. Am 27. Oktober. Es waren keine Schweizer von heute, sondern die von 1903.

Mit dem Einschub “Die neu gewonnene theologische Einsicht, unter anderem die der sogenannten Rechtfertigungslehre”, der in Zusammenhang mit der Menschenwürde gebracht wird, werden seine Gedanken zur Toleranz ausgerechnet Calvin untergeschoben, als sei dieser der Stifter der religiösen Toleranz. Eine klassische theologische Verdrehungsmethode.

Nicht nur die calvinistischen Sittenhüter, die das despotische Religionsreglement Calvins inklusive Ketzerverbrennungen und Beseitigung seiner Gegner in Genf verteidigen, sind auf der Seite Calvins gegen Castellio, dem in Basel kein Denkmal gesetzt wurde, schau an – auch der heutige superliberale Redaktor der BaZ hat ein Herz für den Religionsregulierer. Aber nicht aus religiösen Gründen, sondern – was begeistert Markus Somm so sehr an dem strengen Moralwart, dem Schrecken der freizügigen Genfer Bürger?

http://www.weltwoche.ch/ausgaben/2009-28/artikel-2009-28-der-vater-des-ka.html

Der Vater des Kapitalismus von Markus Somm

WELTWOCHE: Jean Calvin ist einer der grössten Reformatoren, vor allem aber der einflussreichste. Ohne ihn wäre der moderne Westen nicht entstanden. Eine Hymne auf den Verkünder von Wohlstand, Freiheit und Pünktlichkeit.

Da schwingt der Liberale das Weihrauchfass, um den Vaters des Kapitalismus, für den er ihn hält, zu ehren. Als hätte die moderne Wirtschaftsform sich ohne Calvin nicht verbreitet.

Freiheit? Wie bitte? Das Genf Calvins war ein Religionszuchthaus; wer die Freiheit liebte, wanderte aus. Aber der Wohlstand bringt die Weltwoche in schier religiöse Schwärmerei.

Der sonst so besonnene Somm gerät förmlich aus dem Häuschen über die sog. wohlstandsfördernden Qualitäten Calvins, gegen die so etwas, was der doch von ihm geschätzte Stefan Zweig als Gewissen würdigt, kaum zählt. Gewissen ist übertrieben, wenn es um Wohlstands-Schöpfung geht. Zum Fall Servet fallen Somm nichts weiter als die lausigen Argumente der Verbrennungsversteher ein – es gab doch so viele von der Sorte. Damit kann man auch jeden Judenmord «verstehen». Wie um die grässlichen Schreie des Gemarterten zu übertönen, will er mit den Zitaten von Stefan Zweig die Leser überzeugen, dass die doch übertrieben seien? Die Äquidistanz zu Folterern und Gefolterten ist eine beliebte Methode der Verbrechens-Beschönigung. Es waren nicht die Täter, es war «die Zeit».

  • Calvins Genf
  • «Inzwischen haben die scheusslichen Vorbereitungen begonnen. Schon ist das Holz um den Pfahl gehäuft, schon klirrt die Eisenkette, mit der Servet an den Pfahl gehängt werden soll, schon hat der Henker dem Verurteilten die Hände gebunden.» Unter dem Eindruck von Stalin und Hitler beschrieb der österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in den dreissiger Jahren das Schicksal von Michel Servet. Der spanische Arzt, womöglich ein einstiger Jude, hatte die Dreifaltigkeit von Vater, Sohn und Heiligem Geist in Frage gestellt. Nach einem Prozess, in dem man Calvin als Sachverständigen beigezogen hatte, wurde er vom Genfer Magistraten 1553 zum Tod verurteilt.

Was war denn das für ein «Sachverständiger», der Castellio als Hund und als Ungeheuer bezeichnete? (BaZ, Rezension der neuen Castellio-Biografie von Mirjam van Veen, 28.10.15)

  • (…) In der gesamten Zeit, da Calvin die Genfer Kirche leitete, wurde nur ein einziger Ketzer verurteilt und hingerichtet: Michael Servet. Allein in Zürich wurden unter Zwingli Dutzende von Wiedertäufern in der Limmat ersäuft, und die Katholiken verbrannten Abweichler im Akkord – trotzdem blieb an Calvin der Ruf haften, besonders intolerant und blutrünstig seine Lehre durchgesetzt zu haben. Wahr ist, in Genf wurde unter Calvin seltener gelacht. Kleiderordnungen, Tanzverbote, Ausschluss vom Abendmahl bei geringen Vergehen: Im Wissen, dass die Reformation die Gesellschaft gleichsam deregulierte, weil sie überkommene Hierarchien beseitigte, legten alle Reformatoren besonderen Wert auf die «Kirchenzucht», um die Dinge unter Kontrolle zu halten. Dass aber vor allem die Calvinisten als besonders autoritär und humorlos in die Geschichte eingegangen sind, mag daran liegen, dass sie immer eine Minderheit blieben, aber eine besonders erfolgreiche.
  • Im 18. Jahrhundert waren überall in Europa die tüchtigsten Unternehmer, die reichsten Bankiers und die produktivsten Wissenschaftler Calvinisten. Dass sie die anderen übertrafen, war das eine, dass sie sich einzubilden schienen das alles nur Gott zu verdanken, weil der sie auserwählt hatte – das musste die andern, also die Verdammten, ergrimmen. Schon im 16. Jahrhundert prägte ein deutscher Lutheraner den Begriff «Calvinisten». Es war lange ein wüstes Schimpfwort.

Auch Somm scheint es zu ergrimmen, oder sagen wir zu stören, denn Grimm kann man sich bei Somm nicht recht vorstellen, dass der Ketzerrichter Calvin nicht unangefochten als ein grosser Mann verehrt wird. Der Erfolg, gemäss der These Max Webers, erfüllt ihn geradezu mit Ehrfurcht.

  • Die Puritaner waren die englischen Calvinisten, die in grosser Zahl nach Amerika ausgewandert waren, um dort ein neues, protestantisches Jerusalem aufzubauen. Sie gründeten die Eliteuniversitäten Harvard, Princeton und Yale.
  • Dass der Kapitalismus älter sei als die Reformation, bestritt auch Weber nicht, was er aber belegte, ist die Tatsache, dass Calvin ein Ethos bestätigte und heiligte, das das kapitalistische Wirtschaften enorm erleichterte. Es ist kein Zufall, dass so viele erfolgreiche Länder des Westens, ob die Niederlande, Schottland, die USA, England oder die Schweiz calvinistisch geprägt waren. Während die calvinistischen Niederlande im 18. Jahrhundert zur führenden kapitalistischen Macht aufstiegen, fiel das südliche Flandern, das katholisch geblieben war, zurück. Vor der Reformation war es umgekehrt gewesen: Antwerpen war das führende Finanzzentrum des weltumspannenden Habsburger-Reichs gewesen. Jetzt verlor es diese Stellung an das calvinistische Amsterdam, das sich zur reichsten Stadt der Welt entwickelte. Das Gleiche liess sich in der Schweiz beobachten, wo alle reformierten Orte – Zürich, Basel, Genf und St. Gallen – davonzogen und die katholischen Gebiete in Armut versanken. Das calvinistische Neuengland, wo die Böden steinig und die Winter streng waren, überrundete innert kurzer Zeit das spanisch und katholisch geprägte Südamerika.

Auch in dem Sammelband «Streit um Werte» von Lawrence E. Harrison und Samuel P. Huntington finden sich einleuchtende Analysen zur Auswirkung der Kulturen auf die wirtschaftliche Entwicklung, u.a. aufgezeigt am Beispiel Nord- und Südamerikas, der protestantischen und der katholischen Einflusszone. Am deutlichsten dürfte die Wirkung der Kultur auf den wirtschaftlichen Erfolg wohl an der chronischen Rückständigkeit der moslemischen Länder nachzuweisen sein, was die Linke natürlich bestreitet, für die kulturelle Faktoren keine Rolle spielen.

Dass Calvin auch der Promotor der demokratischen Freiheiten gewesen sei, darf bezweifelt werden. Die Absolutsetzung Gottes gilt auch für alles andere als freiheitliche Religionen.

  • Weil Calvin die Souveränität Gottes absolut setzte, war er skeptisch gegenüber jeglicher Art von irdischer Machtballung. Niemand: Kein König sollte Gott konkurrenzieren, daher empfahl Calvin eine Art aristokratische Demokratie, aus dem gleichen Grund propagierte er die Gewaltenteilung. Der Kleine (von den Bürgern gewählte) Rat von Genf war sein Vorbild (…)

War der nicht schon vor Calvin vorbildlich? Irgendwie erinnert mich das an die Jakobiner, die waren auch so vorbildlich für vieles, was nach ihnen Erfolg hatte. Der Kult um Calvin macht misstrauisch. Wir wissen nicht, wie die Geschichte des Kapitalismus ohne ihn verlaufen wäre.

  • Obwohl theoretisch vorherbestimmt war, wie der Mensch sich verhielt, lag es praktisch in seiner Hand, ob er sich als Erwählter erwies oder nicht. Das war die neue Freiheit.

Seltsam, dass die dem «Selfmademan» Servet nicht zugebilligt wurde.

  • Der nagende Zweifel, womöglich doch verdammt zu sein, eine Unsicherheit, die dem Lutheraner unbekannt war, trieb den Calvinisten zu Spitzenleistungen an.

Hm. Spitzenleistungen unter Drohung des Höllenfeuers? Das soll den Konkurrenzkampf mit den Mitteln des modernen Kapitalismus erklären? Ich denke, das sind ältere Muster, die die Konkurrenten antreiben, als die ewige Verdammnis. Dem Folgenden würde ich zustimmen:

  • Der Calvinismus war auf eine merkwürdige Art Welt-bejahend, indem er die irdische Tätigkeit, den Alltag zu einem religiösen Akt umgestaltete. Geld verdienen und arbeiten waren Handlungen im Sinne Gottes, das wirkte auf diese Menschen wie eine Droge.

Ansonsten würde ich Somm für eher nüchtern halten. Und eine Behauptung wie die:

  • Ohne Calvin wäre der Westen nie so reich und so frei geworden

könnte auch unter Drogen zustande kommen. Geld+Gott oder Geld=Gott ist so eine.

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Sebastian Castellio, der ein Manifest der Toleranz verfasste, das wie eine Vorwegnahme des Menschenrechts auf Meinungsfreiheit wirkt und begründet, dass kein Mensch wegen seiner Ansichten getötet werden darf («Einen Menschen töten heisst nicht, eine Lehre zu verteidigen, sondern einen Menschen töten»), was heute wieder hochaktuell ist zur Zeit der Verteuflung von Religions-Kritik und Verketzerung der Kritik an herrschenden politischen Eliten als Hass und «Hetze», hätte eine Laudatio in Basel verdient. Immerhin erscheint in der BaZ vom 28.10.15 eine Rezension einer neuen Biographie dieses Reformators und Humanisten (Autorin der Biographie ist Mirjam van Veen – Castellios Toleranz-Manifest war in den Niederlanden immer weit mehr verbreitet und geschätzt als an dem Wirkungsort Castellios) von Sigfried Schibli, die Wert darauf lege, dass Castellio «Traditionalist» war. D.h. als Vorläufer der Aufklärer möchte man ihn hier nicht gelten lassen, der Religionsdespot Calvin wird offenbar mehr geschätzt (s.o.) in Basel.

Was alles andere als traditionalistisch war: Castellio stellte die Einheit von Kirche und Staat in Frage, wie van Veen schreibt, und  ergriff bekanntlich Partei für den mit Billigung Calvins als Ketzer verbrannten Servetus. Nach der Verbrennung schimpfte Calvin seinen Kritiker Hund und Ungeheuer, Castellio nannte Calvin einen machtgierigen Tyrannen. «Man schenkte sich also nichts», heisst es dazu in der BaZ. Hier wird wieder Äquidistanz geübt wie üblich unter Kritikbashern, die Religionskritik mit Terror gleichsetzen (so wurde die Islamkritikerin Hirsi Ali als «Fundamentalistin» attackiert). Die Bezeichnung des Religionstyrannen als Tyrann dürfte ja zutreffend sein, während «Ungeheuer» eine Verteuflung Castellios ist, mit der Calvin ihn als Kandidat für den Scheiterhaufen kennzeichnete, denn  Ungeheuer sind zu vernichten. Dann der Versuch, Castellios Mut zu relativieren: Mirjam van Veen fragt sich, weshalb Castellio nicht schon vor 1553 gegen Calvins Ketzer-Hetze angeschrieben habe. Denn Calvin habe schon 1538 scharf die Täufer als Ketzer verurteilt.

Leicht gesagt.  Wann hätte die Kirchenhistorikerin vielleicht schon gegen die mörderische Hetze des Islam gegen die Ungläubigen angeschrieben? Zudem: Hat Calvin schon früh die Verbrennung der Ketzer gefordert? Es sei nicht die einzige «leicht kritische Stelle in dem Buch», vermerkt Schibli, der Wert darauf zu legen scheint, dass Castellio nicht «idealisiert» wird; der Calvin-Verherrlicher Somm sieht das auch sicher anders als Stefan Zweig. Was wirft Frau Veen dem Calvin-Verfolgten noch vor? Dass er in seiner Schrift «De haereticis» (im Alcorde -Verlag erschienen als „Manifest der Toleranz“) selektiv zitiere. Ach, wer täte das nicht von den Calvin-Verteidigern? Darüberhinaus Castellio als «bildungsfeindlich» zu bezeichnen, weil er seine Kinder Deutsch und Französisch lernen liess statt Latein und Griechisch, das er selber lehrte, ist geradezu einfältig. Auch dass er als «freudlos» bezeichnet wird (das müsste doch  als Tugend unentwegt fleissig Schaffender und Krampfender im Sinn von Somm sein), ist angesichts der moralischen mullah-mässigen Erstarrung seines Gegners kaum angemessen. Es gab auch vielleicht wenig Anlass zu freudiger Stimmung angesichts der Hetzschriften des Herrn des Genfer Gotteszuchthauses gegen Castellio, vor dem der in Basel nur solange sicher war, solange der Rat der Stadt ihm gewogen war. Das dauerte nicht allzu lange, denn Castellio war mit einem Manne heimlich befreundet, der ebenfalls als Zuwanderer in Basel unter dem namen Johann von Brügge lebte. Ein Wiedertäufer, der in Basel vor Verfolgung Zuflucht gefunden hatte, aber nur unter falschem Namen. Er hiess in Wirklichkeit Davids Joris(zon), und nachdem er nach seinem Tod als „Ketzer“ entlarvt worden war,  war auch Castellio seines Lebens nicht mehr sicher  in Basel,  er starb, ehe man ihn verbrennen konnte.  Stefan Zweig schreibt, er sei an einem Magenleiden gestorben,  was man angesichts der lebensbedrohlichen Situation nur zu gut versteht.  (Dass Somm den Suicid des Autors der „Welt von Gestern“ im brasilianischen Exil  so schwer versteht, finde ich befremdlich).     

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Zu David Joris siehe auch:

Basler Nachrichten, 14. Oktober 1963 David Joris alias Johann von Binningen Davd Joris Felix _NEW Ein Niederländer unter falschem Namen„, unter diesem Titel schrieb der Basler Journalist Felix Feigenwinter 1963 über den Bewohner des Schlosses Binningen in den „Basler Nachrichten„: Der Fremdling nannte sich Johann von Brügge und ersuchte im April 1544 den Rat zu Basel, sich mit seiner Familie und Freunden aus den Niederlanden in Basel niederlassen zu dürfen. Die Basler Ratsherren waren vom würdevollen Auftreten des Fremden tief beeindruckt und nahmen ihn und seine Freunde ohne nähere Erkundigungen bedenkenlos als Bürger aus. Über Joris‘ Auftreten schreibt Roland H. Bainton in seiner 1937 veröffentlichten Studie: „Er war von breitem Körperbau, hatte einen rötlichen Bart und funkelnde Augen. Seien Rede war ernst und gesetzt, sein Benehmen eindrucksvoll. Sowohl er wie seine Gefährten waren elegant und geschmackvoll gekleidet.“ Johann von Brugg hiess aber in Wirklichkeit David Joris. Er hatte seine Heimat als Flüchtling verlassen, nachdem man ihn nach Demonstrationen an einer Prozession auf dem Schafott zu Delft mit Ruten geschlagen und ihm die Zunge durchstochen hatte. Im Schloss Binningen liess es sich David Joris gut gehen. Er nannte sich auch gern Johann von Binningen und führte zwölf Jahre lang das Leben  eines angesehenen Bürgers.  Streit um das Birsigwasser Im Jahr 1548 gab es Schwierigkeiten wegen der Wassernutzung. Joris hatte einen Zweigkanal vom Birsig erstellen lassen. Nun ergoss sich das Wasser in den Fischweiher des Schlosses und floss von dort in den Birsig zurück.  Eine Dürre brachte aber die Müller in Schwierigkeiten und sie beschwerten sich. Der Schlossherr erklärte sich darauf bereit, das Wasser nur samstags nach 16 Uhr „Sonntags und Alltags nach dem Abendläuten“ abzuleiten. Aber die Klagen wollten nicht verstummen. Joris bat den Rat, die Angelegenheit zu schlichten und fügte hinzu: „Es wird von uns ungebührlich geredet, dass wir die Stadt gefährdeten und ihren Bürgern schadeten, den Armen das Brot vorm Munde abschneiden wollten. Wenn uns danach im Sinn gestanden hätte, so hätten wir nicht in vier Jahren  so viele tausend Gulden hier angelegt,  verzehrt und ausgegeben und nicht so vielen Bürgern so viel zu verdienen gegeben. Wir missgönnen es ihnen nicht, sondern gönnen es ihnen als unseren lieben Mitbürgern von Herzen.“ * Die Leiche des Erzkatzers vor dem Steinentor verbrannt  Aber Joris leitete im geheimen die Wiedertäufersekte der Joristen und verfasste ketzerische Schriften. Am 25. August 1556, wenige Tage nach dem Tod seiner Frau, starb er und wurde an der Seite seiner Gemahlin in der Leonhardskirche beigesetzt.  Ein Diener machte indes die sektiererische Tätigkeit des verstorbenen Schlossherrn bekannt, Hausdurchsuchungen bestätigten die Aussagen des  Mannes. Joris Leichnam wurde ausgegraben und am 13. Mai 1559 vor dem Steinentor als „Erzkatzer“ samt seinen Schriften öffentlich verbrannt. Seine Angehörigen wurden am 11. Mai 1559 aus dem Gefängnis entlassen unter der Bedingung, dass sie keine „niederländischen Bücher“  mehr lesen und keine holländischen Dienstboten halten durften. Ihre Kinder mussten die „Gemeinen Schulen“ besuchen. Ein späterer Text zu David Joris: http://feigenwinterfelix.npage.de/der-ketzer-david-joris-und-die-hingerichtete-drahtzugmuellerin.html __________________________ Anmerkung: Also nicht nur Calvinisten, wie Somm schreibt,  sondern auch die Calvin verhassten Ketzer trugen zum wirtschaftlichen Gedeihen bei. https://widerworte.wordpress.com/2015/01/31/mediales-tribunal-postum/ ____________________________________________

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