Den Islam richtig „interpretieren“

Posted on März 16, 2015

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Daniel Pipes fragt in der Washington Post, „warum Politiker vorgeben, der Islam habe mit Gewalt nichts zu tun.“ http://de.danielpipes.org/15632/islam-gewalt

Weiss er nun, was Islamkritiker seit langem wissen: dass der Islam nicht «die Lösung» des Problems ist, das er darstellt, sondern die Ursache?

Er müsste seine totale Fehleinschätzung erst mal zugeben, ehe er zu einer neuen Version übergeht. Er hat also erkannt, dass der Islam etwas mit der islamischen Gewalt sprich dem Terror in seinem Namen zu tun hat? Nun, das wissen wir wie gesagt schon lange. Er zählt dann Politiker in USA und Europa auf, die diese offenkundige Tatsache abstreiten und behaupten, Islam habe nichts mit der Gewalt zu tun, die vom ISlamStaat u.ä. verübt wird.

  • David Cameron, der konservative britische Premierminister, porträtiert ISIS als „Extremisten, die den Islam missbrauchen wollen“ und die „den islamischen Glauben pervertieren“. Er nennt den Islam „eine Religion des Friedens“ und tut ISIS-Mitglieder als nicht Muslime, sondern „Monster“ ab. Sein Einwanderungsminister James Brokenshire argumentiert, dass Terrorismus und Extremismus „nichts mit den Islam zu tun haben“.
  • Bei der Labour Party befindet der ehemalige britische Premierminister Tony Blair, die ISIS-Ideologie sei „eine auf völliger Perversion des korrekten Glaubens des Islam gegründet“, während ein früherer Innenminister – Jack Straw – „die mittelalterliche Barbarei von ISIS und seinesgleichen“ verurteilt, die er für „in komplettem Gegensatz zum Islam“ befindet.
  • Auf der anderen Seite des Kanals besteht der französische Präsident François Hollande darauf, dass die Kriminellen von Charlie Hebdo und Hyper Cacher „nichts mit dem muslimischen Glauben zu tun haben“. Sein Premierminister Manuel Valls pflichtet ihm bei: „Der Islam hat mit ISIS nichts zu tun.“
  • Der niederländische Premierminister Mark Rutte stößt in dasselbe Horn: „ISIS ist eine Terror-Organisation, die den Islam missbraucht.“ Daniel Cohn-Bendit, ein linker deutscher Politiker, nennt die Mörder von Paris Faschisten, nicht Muslime. Aus Japan stimmt Premierminister Shinzo Abe zu: „Extremismus und Islam sind zwei völlig verschiedene Dinge.“
  • Das ist keine neue Ansicht: Die früheren US-Präsidenten Bill Clinton und George W. Bush z.B. trugen ebenfalls ihren Einblick in das bei, was der Islam nicht ist, wenn auch nicht so ausdrücklich.

Zu Zeiten von Bush Jr. hat Pipes noch erzählt, der «Islamismus» sei das Problem und der Islam sei die Lösung. Er hat das Märchen vom moderaten Islam m.W. nie aufgegeben.

Heute klingt es ein wenig anders.

  • Diese Äußerungen, die direkt aus dem islamistischen Theatermanuskript kommen, kann man so zusammenfassen: Der Islam ist bloß eine Religion des Friedens, also haben Gewalt und Barbarei kategorisch nicht mit ihm zu tun; tatsächlich „tarnen“ ’sie sich mit und „pervertieren“ sie den Islam. Folglich ist mehr Islam nötig, um diese „monströsen“ und „barbarischen“ Probleme zu lösen. Jedoch missachtet diese Interpretation natürlich die heiligen Schriften des Islam und die Geschichte der Muslime, durchdrungen von der Annahme Nichtmuslimen überlegen zu sein und von der gerechten Gewalt des Jihad.

Es ist offenbar der Ausbruch der dschihadistischen Gewalt,  die Pipes am friedlichen Islam zweifeln lässt, oder? Für Islamkritiker war immer schon klar, dass es nicht erst dieser Gewaltausbrüche bedurfte, um die tägliche Barbarei des Islam, nämlich die Scharia, als islamogene Barbarei zu begreifen. Die hat den Glauben an den moderaten Islam bei Pipes lange nicht erschüttert. Aber der zeigt sich doch recht resistent, wenn es weiter heisst:

  • Ironischerweise bedeutet den islamischen Impuls zu ignorieren, dass man auf das beste Mittel zum Sieg über den Jihadismus verzichtet: Denn wenn das Problem nicht das Ergebnis einer Interpretation des Islam ist, sondern von willkürlich bösartigen und irrationalen Trieben, wie kann man dann überhaupt dagegen vorgehen? Nur, wenn man dass das Erbe des islamischen Imperialismus eingesteht, eröffnen sich Möglichkeiten für die Neuinterpretation der heiligen Schriften des Glaubens auf moderne, moderate und gutnachbarliche Weisen.

Und wieder grüsst das Murmeltier: Pipes ist nämlich noch nicht aus der Endlosschleife mit dem angeblich falsch interpretierten Islam ausgebrochen, er führt ihn durch die Hintertür wieder ein, kaum dass man dachte, er ist raus aus dieser Falle: Das Problem soll bei Pipes nämlich wieder das Ergebnis einer Interpretation des Islam sein und nicht der Islam selbst. Oder wie soll man dieses «Ergebnis einer Interpretation», das zu korrigieren sein soll, verstehen? Falsch interpretiert? Das sagen ja auch die Apologeten und Appeaser. Er muss nur «richtig interpretiert» werden, der Islam. Pipes wünscht sich also «Möglichkeiten für die Neuinterpretation der heiligen Schriften des Glaubens.» Ach so. Die konsequenten Islam-Kritiker und Aufklärer, die sich schon vor Jahren nicht die Illusionen machten, die Pipes noch heute hat, wünschen sich keine Neuinterpretation von Mein Kampf, pardon von den heiligen Schriften des Glaubens, sondern deren radikale Kritik und Entmythologisierung.

Wie soll man denn die Mordbefehle und Gewaltbotschaften der heiligen Schriften «richtig interpretieren»? Die „Islamisten“ haben die heiligen Schriften ja völlig richtig verstanden.

Wie unislamisch möchte Pipes sie interpretieren? Moderat? Friedensstiftend? Auf «gutnachbarliche» Weise. Nur hat eine solche «Interpretation nichts mit dem Islam zu tun, den er wiederum in seine «Interpretationen» auflöst und vernebelt, wenn auch umgekehrt.

  • Warum geben dann mächtige Politiker ignorante und kontraproduktive Argumente von sich – von denen sie mit Sicherheit wissen, dass sie falsch sind, besonders da der gewalttätige Islamismus sich ausbreitet (man denke an Boko Haram, Al-Shabaab und die Taliban)? Feigheit und Multikulturalismus spielen selbstverständlich eine Rolle, aber zwei andere Gründe sind von größerer Bedeutung.

Dass die islamhörigen Politiker den Zusammenhang von Islam und seiner Gewaltbotschaft leugnen, müsste Pipes eigentlich zu dem Schluss kommen lassen, dass die Dschihadisten den Islam richtig verstehen, und die Appeaser ihn verdrehen. Aber so weit will Pipes nicht gehen, er hält weiter an der Version von der falschen «Interpretation» fest. Warum redet er nur von Interpretation und nicht von Befolgung der eindeutigen Mordbefehle gegen die Ungläubigen?

  • Erstens wollen sie Muslime nicht vor den Kopf stoßen, von denen sie fürchten, dass sie zu Gewalt neigen, wenn sie Nichtmuslime als einen „Krieg gegen den Islam“ führend wahrnehmen. Zweitens haben sie Sorge, dass sich auf Muslime zu konzentrieren fundamentale Veränderung der säkularen Ordnung bedeutet, während ein islamisches Element zu leugnen es erlaubt störende Themen zu umgehen. …Nach Angaben nicht muslimischer Politiker haben diese Mitglieder der Taliban nichts mit dem Islam zu tun…

Wozu so kompliziert, wenn’s einfach geht? Man kuscht vor dem Terror. Es wird nicht «ein islamisches Element» geleugnet, sondern es wird der Kern des Islam geleugnet, der da heisst: Gewalt und nochmal Gewalt gegen die Ungläubigen, bis der Friede des Islam herrscht. Pipes will lediglich «ein Element des Islam» einräumen, das zur Gewalt anstifte. Aber wofür hält er denn die Scharia, das barbarische vergöttlichte Recht dieser Männergewaltreligion?

  • Meine Vorhersage lautet: Das Leugnen wird weiter gehen, außer die Gewalt nimmt zu. Im Rückblick erschütterten die fast 3.000 Opfer des 9/11 die nichtmuslimische Selbstgefälligkeit nicht. Die seitdem fast 30.000 Toten des islamistischen Terrors haben die offizielle Linie nicht verändert. Vielleicht werden 300.000 Tote die Sorgen um islamische Sensibilitäten und einen Widerwillen gegen tiefgehende soziale Veränderungen beiseiteschieben und sie durch eine Entschlossenheit ersetzen eine radikal utopische Ideologie zu bekämpfen. Drei Millionen Tote werden mit Sicherheit ausreichen. Ohne solche Opfer werden die Politiker jedoch wohl mit dem Leugnen weiter machen, denn so ist es leichter. Ich bedaure dies – aber ich ziehe es der Alternative vor.

Meine Vorhersage lautet anders: Das Leugnen geht weiter, auch wenn die Gewalt zunimmt, denn sie ist qualitativ schon nicht mehr zu überbieten (was die Politiker nicht im mindesten tangiert) und ihr Expansionskonzept ist schon jetzt offenkundig, was «den Politikern» nicht entgangen sein dürfte. Auch wenn das noch so weitergeht, und das wird es, werden unsere Islamleugner keineswegs zugeben, was sie bis jetzt unentwegt abstreiten – und zwar um so heftiger, je wütender der Islam tobt. Je grösser die Greuel, desto inniger die Umarmung des Krokodils. Auch 300 000 Tote werden die Sorge um islamische Befindlichkeiten keineswegs zur Seite schieben, im Gegenteil, es gibt doch schon mehr als 300 000 Islamopfer weltweit.

Dass drei Millionen Tote «mit Sicherheit ausreichen werden», um die gegen alle islamische Gewalt bisher immun gebliebenen unterwerfungsfreudigen Lakaien der OIC zur Umkehr zu bewegen, ja sie überhaupt zu bewegen (!), halte ich für eine grosse Illusion. Schon ca. 3000 Tote des Anschlags auf das WTC haben ausgereicht, um eine Orgie der offiziellen Islam-Umarmung auszulösen, 300 000 Tote werden einen weltweiten Rausch der Siegerehrung des Islam auslösen und 3 Millionen Tote werden den Frieden des Islam, Dar ul islam, besiegeln.

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