Offene Kirche und islambesoffene Kritiker?

Posted on November 19, 2012

0


Wenn die Monoreligionen sich auf den Pluralismus  berufen…

Die BaZ machte sich zum Sprachrohr des Medienbeauftragten von Bischof Huonder in Chur, der in der Ausgabe v. 17.11.12. eine Lanze für seinen als „konservativ“ bekannten Bischof brach, gegen das negative Image der katholische Kirche in der Schweiz  unter Berufung auf die Religionsfreiheit und den liberalen Rechtsstaat, wie folgt unter dem Titel:

„Ein katholischer Finsterling+

16. November 2012

http://katholisch-informiert.ch/2012/11/ein-katholischer-finsterling/

admin

Ernstnahme der Religionsfreiheit

Wie ernst nehmen Schweizer Medien wie NZZ, “Tages-Anzeiger” oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen Religionsfreiheit, wenn über gewisse Gruppen berichtet wird?

Ein Gastkommentar von Giuseppe Gracia, Schweiz, kath.net, 16. November 2012.

Eine Errungenschaft der westlichen Welt ist die Religionsfreiheit, die zum liberalen Rechtsstaat gehört. Der Liberalismus hat zu einer schier unmöglichen Leistung des Westens geführt: dem friedlichen, repressionsfreien Zusammenleben von Millionen Menschen, die unterschiedliche Weltanschauungen und Lebensentwürfe nebeneinander leben, ohne den Wahrheitsanspruch des eigenen Glaubens aufgeben zu müssen (nicht zu verwechseln mit Geltungsanspruch). Eine Bedingung für diese Freiheit ist die gegenseitige Toleranz.

Die Kirche, die sich mit allen Mitteln gegen den liberalen Rechtsstaat gewehrt hat, den sie nicht abwenden konnte, beruft sich heute auf dessen Liberalität und Toleranz. Aber so tolerant  gegenüber allen anderen Menschenrechten ist man dort dann doch nicht, dass man nicht die Religionsfreiheit als das wichtigste Menschenrecht (Kardinal Koch) verstanden wissen will. Wieso eigentlich soll die Religion das wichtigste sein? Sind die Menschenrechte der nicht Religiösen weniger wichtig? Wie sieht das Menschenrechtsverständnis aus dieser Sicht aus?

(…) Aber wie sieht es eigentlich aus mit der Religionsfreiheit in der Praxis? Wie viele orientieren sich wirklich am liberalen Ideal, zum Beispiel in aktuellen Debatten rund um Kirche und Glaube? Wie ernst nehmen Schweizer Medien wie NZZ, “Tages-Anzeiger” oder das öffentlich-rechtliche Fernsehen Religionsfreiheit, wenn über gewisse Gruppen berichtet wird? Wie geht man etwa mit dem Papst um, mit einem romtreuen Katholizismus? Der Umgang mit Bischof Huonder aus Chur bietet ideales Anschauungsmaterial.

Heisst Religionsfreiheit eigentlich Freiheit von Kritik oder wie darf man das verstehen? Die Beanstandung des „Umgangs“ mit „gewissen Gruppen“, gemeint sind die romtreuen, in den Medien erinnert irgendwie an die Beschwerden von Moslems über Islamkritik – die auch mit Berufung auf die Religionsfreiheit verboten werden soll. Dass die Medien mit der Kirche in der Schweiz weniger zimperlich umgehen als mit dem Islam, ist eine andere Frage, aber ist der Kotau vor dem Islam etwa massgebend, soll es das Ideal sein, das hier angestrebt wird? Der Medienbeauftragte nimmt seinen Auftraggeber  natürlich in Schutz gegen die Angriffe bzw. die Kritik am sog. „konservativen“ Kurs des Bündner Bischofs, der nichts anderes als die kirchliche Lehre vertrete. Da hat er auch Recht, was sonst soll ein katholischer Bischof vertreten wenn nicht das, was seine römische Lehrzentrale ihm zu propagieren aufgibt?   

Dieser Bischof wird regelmässig als katholischer Finsterling dargestellt. Einer, der stur erinnert an die Lehre der katholischen Kirche. Einer, der kürzlich etwa verhindern wollte, dass seine Kirche in Verbindung gebracht wird mit einer Organisation in Graubünden, die Abtreibungspillen propagiert. Einer, der nur Kadavergehorsam zulässt. Kurzum: der beste Bösewicht der hiesigen Religionsberichterstatter.

In der NZZ vom 13.11. steht zu lesen, Huonder habe sich gar angemasst, die Kirchensteuer als freiwillig hinzustellen, nur weil das Kirchenrecht keine Steuerpflicht kennt. Oder er habe sich in seinem Hirtenbrief über die Ehe (letzten Frühling) sowie im neusten Wort zur Heiligen Messe vom November darauf beschränkt, an die immer gleiche katholische Lehre zu erinnern, sonst nichts. Damit sei er nicht “volkskirchlich” eingestellt, wenn auch unklar bleibe, ob er “bewusst” auf eine “radikal geschrumpfte reine Kirche” hinarbeite. Nach “dem Massstab einer offenen und gesellschaftlich relevanten Kirche” habe dieser Huonder jedenfalls etwas Selbstzerestörerisches.

Auch hier könnte ich zustimmen, was anderes als die katholische Lehre erwartet die NZZ von einem katholischen Bischof? So weit so klar. Aber dann wird es ein wenig obskurer: 

Ähnlich tönt es in anderen Medien, wenn von “sklavischem Gehorsam” gegenüber dem Papst berichtet wird oder man anmahnt, dass auch die Katholiken als Teil der demokratischen Schweiz Mehrheitsentscheide zu respektieren hätten.

Haben sie das nicht? Sind sie extraterritorial? Gilt die Demokratie für Katholiken nicht? Nun, da die Kirche alles andere als eine demokratische Institution ist (oder ist sie das etwa nicht?), sollte es dem Sprachrohr von Bischof Huonder (dessen rechte Hand, der Kirchenrechtler  Grichting,  in der Schweizer Demokratie die Pest Europas zu erblicken scheint, weil sie die Kirchenrechte beschneidet, wie er einen deutschen Bischof scheints zustimmend zitiert), doch geläufig sein, dass demokratisches Recht und Kirchenrecht aufgrund der Verschiedenartigkeit ihrer Natur kollidieren und dass Mehrheitsentscheide in der Schweizer Demokratie sehr wohl zu respektieren sind. Der Sprecher des Bischofs beruft sich auf den liberalen Rechtsstaat und tut so, als sei ihm dessen Entstehung im Kampf mit seinen Gegnern nicht bekannt und die Anerkennung demokratischer Mehrheitsentscheide nicht geläufig. Wenn das kirchenfeindlich sein soll, dann stellt sich doch die Frage, wie demokratiekompatibel die Kirche ist? Weiter: 

Was heisst das für unsere Religionsfreiheit? Handelt es sich hier um einen guten, nötigen Aufstand gegen eine sakramental überhöhte Papst-Monarchie? Was bedeutet es, wenn inzwischen erklärte liberale Häuser wie die NZZ einen Bischof als Eiferer hinstellen, nur weil er ausspricht, was jeder in der offiziellen Glaubenszusammenfassung der katholischen Kirche nachlesen kann, im Katechismus? Was bedeutet es, wenn auch in der Kirche selbst viele ins gleiche Horn stossen, um nur ja nicht als vormodern oder antiliberal zu gelten?

Vielleicht bedeutet es, dass der Konflikt zwischen katholischer Kirche und der Demokratie noch nicht ausgetragen ist, da es sich in der Tat um zwei fundamental wesensverschiedene Institutionen handelt? Was ist der Vatikan-Staat? Ist sie etwas ganz anderes als eine sakral überhöhte Monarchie? Dass es innerhalb der Kirche Konflikte um Reformforderungen gibt, ist noch etwas anderes als das Verhältnis dieser Kirche zum Staat, in dem sie immerhin als eine der Landeskirchen eine privilegierte Stellung einnimmt. Das darf durchaus Gegenstand öffentlicher Diskussion sein, die in der Schweiz etwas kirchenkritischer ausfällt als in Dtld., wo noch das Kirchenkonkordat aus der Nazizeit gilt. Ginge es hier nur um eine kirchen-interne Angelegenheit, könnte sie dem säkularen Teil der Bevölkerung egal sein. Aber diese Kirche beschränkt sich bekanntlich nicht auf ihre inneren Angelegenheiten, sondern möchte ihr Kirchenrecht auch in staatlichen Gesetz durchsetzen, wie wir alle wissen. Der Verfasser weiss das auch. Auch wenn er so tut, als wisse er es nicht und als sie die „Religionsfreiheit“ seiner Kirche bedroht, wenn sie sich demokratischer Kritik ausgesetzt sieht. So wie die Kirchenvertreter nicht in ihren Urteilen über das säkulare demokratische Recht hinter dem Berge halten, wenn es z.B. ein Frauenrecht ist, das den Kirchenmännern nicht passt, so dürfen auch die nicht kirchlichen Medien die Meinungen der Nichtgläubigen zum Kirchenrecht und seiner Kollision mit dem demokratischen Recht äussern, oder geht die „Religionsfreiheit“ vor Meinungsfreiheit? 

Was sagt es aus, wenn man sich derart an einem Bischof festbeisst, der schlicht den Glauben seiner Kirche vertritt? Einige haben immerhin das Format, auf die irreführende Negativ-Personalisierung des Problems zu verzichten und stellen sachlich fest: die katholische Kirche als solche, also die Kirche, wie sie sich von der Tradition her selber versteht (ohne Demokratie oder Frauenpriesterin, dafür mit Papst und Zölibat) ist eigentlich nicht mehr tragbar. Akzeptabel erscheint heute nur noch, was die Gesellschaft per Abstimmung verändern und sich verfügbar machen kann. Irgendwann werden die Wortführer dieser Marschrichtung aufs Ganze gehen und sagen: “Jetzt müsst ihr euch entscheiden. Entweder ihr seid papsttreu und verliert eure Legitimation, oder ihr werdet gute reformierte Demokratie-Katholiken.” Dann wird die Luft klarer werden, dann wird sich zeigen: hier geht es ans Nervensystem der Religionsfreiheit. Denn wenn man, wie im erwähnten NZZ-Artikel, in die Sphäre des Glaubens plötzlich den “Massstab einer offenen, gesellschaftlich relevanten Kirche” einführt, dann will das wohl heissen, dass man nun unterscheiden muss zwischen offenen, relevanten Religion und verschlossenen, irrelevanten.

Jaja, hier kommt der Kirchensprecher der Sache schon sehr nahe, um die es geht; in der Tat,  wir befinden uns hier am Nerv der Dinge. Denn auch die Marschrichtung der Wortführer der römischen Glaubenszentrale ist klar. Und wohin sie führt, das hat mit Demokratie nicht viel zu tun. Die Frage, die hier wohlweislich nicht gestellt wird, wäre aber: Was hat der Marsch in Richtung Kirchenrecht in der Demokratie mit der Demokratie zu tun? Oder ist die Religionsfreiheit schon beschädigt, wenn die Mehrheit dem Marsch  keineswegs folgen mag?! Wenn in der Demokratie demokratisches Recht und kein Kirchenrecht herrscht?!

Offen und relevant sind dann die Gruppen, die im Grunde nicht mehr glauben, was sie (gemäss ihrer Religion) glauben. Und der nächste Schritt ist dann der, dass man sagt: nur noch jene “Glaubens”-Gemeinschaften, die sich ans Programm der Selbstrelativierung halten, haben weiterhin das Recht, sich so zu organisieren und zu leben, wie sie wünschen. Die Verschlossenen, Irrelevanten können das vergessen.

Man beachte die Umkehrung der Dinge: Niemand bestreitet den Katholiken, so zu leben, wie die Kirche will, sich an ihre Gebote zu halten, in Sachen Eherecht, Geburtenkontrolle u. drgl. Niemand schreibt katholischen Frauen vor, dass sie verhüten sollten. Diese Religionsfreiheit, selber nach den Kirchengebote zu leben, ist niemandem genommen. Aber bekanntlich geht es  um etwas ganz anderes: nämlich die Verbindlichkeit des Kirchenrechts auch für die staatliche Gesetzgebung, oder? Der jahrzehntelange Kampf für das Frauenrecht der Fristenlösung gegen den kirchlichen Widerstand ist noch nicht so lange her. Nein, da geht gar nicht um Religionsfreiheit, da ging und geht es um das Verbot demokratisch erkämpfter Frauenrechtes auch für die Nichtkatholikinnen (!), Rechte, die als Mordlizenz verteufelt wurden. Hier beklagt ein Kirchenmann die „Negativ-Personalisierung“ in der Kritik der katholischen Kirchenpolitik – ja wie wurden denn die Frauen von diesen Kirchenmännern mit Negativ-Personalisierung in besagtem Streit bedacht,  im Hexenhammerstil… Und nun des Pudels Kern:

Dann muss man auch von orthodoxen Juden verlangen, offener und gesellschaftlich relevanter zu werden, ebenso von Muslimen, Buddhisten, Freikirchlern usw.

Moment mal. Die Juden haben noch nie vom Schweizer Staat verlangt, dass er jüdische Religionsregeln zu staatlichen Gesetzen macht, sie verteufeln das Recht auf legale Abtreibung nicht, nicht mal in Israel. Sie mischen sich ja nicht in die Rechtsvorstellungen der Nichtjuden ein mit religiösen Vorschriften für staatliche Gesetze.

Der Clou: ebenso von Muslimen

Sehr wohl, die Herren. Ebenso wie von Katholiken ist von Muslimen zu verlangen, dass sie sich an die demokratischen Spielregeln halten, oder? Was soll das heissen, dass Muslime nicht „offener und gesellschaftlich relevanter“ werden müssen, denn was die islamische Verschlossenheit angeht, so ist sie von ganz besonderer und dem Kirchenmann sehr wohl bekannter Art, und zwar einer, die dringend der Einschränkung eines als „Religionsfreiheit“ ausgegebenen Sonderrechtsstatus bedarf, der schwerste Menschenrechtsverletzungen durch diese Gesetzesreligion impliziert.

Das wird hier alles so en passant unter dem Namen der Toleranz wieder eingeschmuggelt, mit der Religionsfreiheit als der trojanischen Kuh in der Demokratie. Sie wissen was sie tun. Ob die liberale BaZ-Chefredaktion es auch weiss oder ob sie auf die Toleranzrhetorik und das Liberalitätsgerede hereinfällt?    

Damit aber wird der Liberalismus unterlaufen, zu dem die Religionsfreiheit unabdingbar gehört.

Was die  Toleranz für die Intoleranz so alles „unterläuft“, wenn man von Muslimen nicht mehr verlangen darf, sich ans geltende demokratische Recht zu halten, müssen wir uns nicht ausmalen. Wir haben es hier mit der klassischen Taktik eines Toleranzverständnisses zu tun, das der intolerantesten Religion, die zurzeit existiert, goldene Brücken zur Unterminierung der Demokratie baut. Es handelt sich nicht um Buddhisten, die gefährden die Demokratie nicht. Sie rufen nicht zur Tötung der Ungläubigen auf. Der Kirchenmann wird noch deutlicher: 

So entpuppen sich die Kritiker eines romtreuen Katholizismus am Ende als Gegner des weltanschaulichen Pluralismus, als Weichlinge im Aushalten das fundamental Widersprechenden, das nur noch als Fundamentalismus wahrgenommen wird. Und es gibt keinen Grund anzunehmen, dass man mit Juden, Muslimen oder Freikirchlern anders verkehren wird. Das Selbstbestimmungsrecht dieser und anderer Gruppen steht auf dem Spiel, sofern sie sich weigern, die Standards des Mainstreams in ihre Weltanschauung zu integrieren.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass die hier beschworene „Religionsfreiheit“ nicht das Ende aller demokratischen Freiheit bedeutet, wenn sie „als wichtigstes Menschenrecht“ erst alle angeblich weniger wichtigen ausser Kraft gesetzt hat. Wenn man den orthodoxen Islam nicht mehr als „Fundamentalismus“ wahrnehmen darf  (Kritikverbot gefällig? und das alles im Namen des „weltanschaulichen Pluralismus“…“), den man aushalten muss, dann gute Nacht. Solange die Religionen nicht gegen fundamentale Menschenrechte verstossen, haben sie bereits alle Religionsfreiheiten, aber der Islam, der keine Demokratie toleriert, wo immer er  die Macht hat, wird mit den Kuffar so verkehren, wie es im Koran geschrieben ist und wie es für orthodoxe Moslems verbindlich ist. Man sieht es an den Verhältnissen in den „befreiten“ Ländern des islamischen Frühlings, was unter islamischer „Religionsfreiheit“ zu verstehen ist.

Die scheinheilige Inanspruchnahme der Religionsfreiheit für alle Religionen ohne Ansehen ihrer Vereinbarkeit mit den Regeln des Rechtsstaat, unter Berufung auf eben denselben, ist ein klassisches Stück von theologischem Abrakadabra. Was oll denn den Moslems an Freiheiten gewährt werden, die sie nicht schon haben? Diese Frage müsste die Klerikerzunft erst mal konkret beantworten. Gemeinsame „Familienwerte“ zusammen mit der Polygamiereligion? 

Noch ist das alles nicht deutlich. Liest man aber zwischen den Zeilen, ist es im Ansatz schon da: das Zeitalter der besorgten Feuilleton-Absolutisten, die uns ihre Weltanschauung als einzig zeitgemässes Lehramt verkaufen.

Ob Markus Somm klar ist, was ihm hier in seiner Zeitung verkauft wird? Wer den Islam nicht respektiert, ist ein Absolutist! Aufklärung auf Huondrisch. Wie Moslems die Demokratie als Durchlauferhitzer für die Islamisierung benutzen, so wird hier der „liberale Rechtsstaat“ , vor dem die Gottesmänner sich sonst bekreuzigen, als Garant einer angeblich gefährdeten „Religionsfreiheit“ bemüht.

Zu erkennen ist es auch, wenn man fragt, wie oft denn gewisse Kritiker bei sich selber die Grundregeln des Liberalismus anwenden. Wie sie selber Toleranz üben. Das heisst: ob in Forumsmedien wie NZZ oder beim Schweizer Fernsehen der unüberwindliche, disharmonische Weltanschauungs-Pluralismus der Moderne tatsächlich ausgehalten wird, ohne dass man ihn abschaffen will.

Wer will den denn an erste Stelle abschaffen? Schon von den mörderischen Aufständen und Mordattacken gegen westliche Kritiker, gegen Meinungsfreiheit und Pluralismus gehört? Es ist ein kleines theologisches Musterstück der Irreführung, was Gracia hier vorlegt. Zuerst hat man die Menschenrechte, deren Anerkennung die Kirche vergeblich bekämpfte, entdeckt als brauchbares Instrument zur Restauration des Religionsrechts, sodann hat der Bischof von Basel, nicht zufällig heute Kardinal in Rom, die „Religionsfreiheit“ (im TV) als wichtigstes Menschenrecht definiert. Gewusst wie. Und schon ist Religionskritik ein Verstoss gegen die Religionsfreiheit… Dabei geht es nicht um die Person von Huonder, das meinen wir auch: die Feststellung, ein Bischof sei zu romtreu, ist idiotisch. Es ginge um die Kritik der Lehre selber, die in Rom zentral vertreten wird, und sich bis Lateinamerika verheerend für Frauen erweist.

Die „gewissen Kritiker“, die gemeint sind, setzen auf einen liberalen Katholizismus – womit sie sich irren könnten. Denn der Kern ist alles andere als liberal, so wenig (wenn auch anders) wie der Islam moderat ist. Und vielleicht dämmert es einigen gewissen Kirchenkritikern, die auch einen liberalen Islam fantasieren, erst mit der chrislamischen Allianz, worum es sich handelt, denn je „offener“ der Katholizismus“ werden soll, desto mehr kommt er dem Islam mit offenen Armen entgegen. Es sind sinnigerweise gerade die Islamschwärmer und Islamkritik-Phobiker, die sich eine offene Kirche wünschen, die allen anderen Religionen gegenüber offen ist, aber ganz besonders offen sollen ihre Türen für den Islam sein, wenn es nach der Kritik der islambesoffenen offenen linken Kirchengegner geht. Paradoxe Allianzen: Linke beschwöre die Religionsfreiheit pro Islam, und Kirchenfunktionäre den liberalen Rechtsstaat contra linke Kirchenkritiker…. Nur der Islam braucht keines von beiden, er kann gut ohne Religionsfreiheit und ohne Rechtsstaat existieren. Er ist weder auf die Türöffnung der Kirche noch auf die Unterwerfungszeremonien und Huldigungen der Linken angewiesen. Aber mit Hilfe der Kirche und der linken Kirchenkritiker und Islamfreunde geht alles noch schneller. In der Konkurrenz um die Gunst des Islam treffen sich die Kirchenmänner mit ihren Kritikers…

Giuseppe Gracia ist Schriftsteller und in einem Teilzeitpensum Medienbeauftragter von Bischof Vitus Huonder in Chur. Der Beitrag erschien auch in der Tageszeitung BAZ

______________________________

Die Frage ist: Wieviel Kirchenrecht müssen wir aushalten in der Demokratie? Anders gesagt: Wieviel Frauenrecht halten die Kirchenmänner aus, die Zeter und Mordio schreien gegen liberale Gesetze, Sie wissen schon welche…. rvc

Advertisements
Posted in: Uncategorized