Die Amazone oder das Schreckbild des Zürcher Männerhauses

Posted on November 21, 2011

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Es gab mal eine witzige Karikatur des Schweizer Bundesrats, der die vier Frauen des Siebenergremiums mit grossen entblössten Gebissen zeigte, Doris Leuthard und Calmy-Rey im Vordergrund, dahinter verschüchtert zusammengekauert mit eingezogenen Köpfen die drei ängstlich dreinblickenden Männer. ..  Das Bild machte auf amüsante Weise die Urangst deutlich, die in den Köpfen der patriarchalen Männlichkeit spuken muss, die bei einem Frauen/Männeanteil von vier zu drei in der Regierung von Panikattacken befallen werden, wie sie Woche für Woche die Weltwoche zu schütteln scheint.  Es vergeht keine Nummer, in der sich die Redaktion nicht in der einen oder anderen Flaschenpost an die scheint’s aussterbenden Männer im Land wendet und ihren Horror vor dem Ausbruch des Matriarchats signalisiert, für das sie eine vorübergehende weiblichen Mehrheit halten muss.

In der Redaktion herrschen dagegen noch normale Verhältnisse, mit ca 24 Mann und drei bis vier Alibifrauen. Do hät’s no Manne mit Speuz, ha joo. (Nur dass der Chef, das Köppeli, eher wie ein Bubi aussieht.) Nun, der Schrecken vor dem vierköpfigen Drachen mit der vagina dentata hat bald ein Ende.  Am 14. Dez. ist Bundesratswahl. Wie immer sie ausgeht, sie wird der Frauenmehrheit, die den Schweizer Altpatriarchen ein Dorn im Auge ist, ein Ende machen. Bundesrätinnen, und zwar alle, gehören seit jeher zum klassischen Feindbild der Weltwoche, vor während und nach der Wahl. Frauen haben dort oben nichts zu suchen. Urs Engeler erregte sich schon vor der Wahl der CVP-Politikerin von Doris Leuthard, sie leiste sich Liebhaber u. dergl. Unsäglichkeiten, was wohl von den Puffbesuchen der Herrenriegen in Bern ablenken sollte. Denn Frauen sind es, die die Männerkarrieren ruinieren, mit „Weibergeschichten“, wie Köppel weiss. Weiberherrschaft!

Auch und erst recht nach der triumphalen Wahl von Karin Keller-Suter in den Ständerat, zu der die Dauer-Attacken der Weltwoche gegen die St. Galler Justizdirektorin sogar beigetragen haben könnten, gibt das Männerhaus Zürich mit seinen pathologisch antifeministischen Reflexen, das sich auf Frauen eingeschossen hat, die etwas anderes darstellen könnten als das Layout der WW sie vorführt, mit seinen Pussis und Models, und drgl. Neckisches, wie sie die puerile sterile Fantasiewelt von Köppel& Ko. bevölkert., keine Ruhe und macht weiter mit Cherchez-la-femme.

Denn es sind ja die Frauen, die nach dem Weltwoche-Weltbild die gesamte Welt ins Unglück stürzen, und wenn es um solche Wunderwerke wie die Kriege und Krisen der von der Weltwoche gepriesenen so herrlich risikofreudigen Männerwelt geht, exklusiv manmade mit den testosterongesteuerten Finanzpokerern (zu den Spielen der Reptilienhirne siehe Branko Bokuns sarkastisch satirische Charakteristiken der puerilen Hauptakteure solcher nicht abreissenden Weltwunder) denen ganze Volkswirtschaften anvertraut sind bis ans bittere Ende, ja da muss man sich dochj noch etwas einfallen lassen gegen die neugewählte Chefin des IWF, Christine Lagarde,  die im Köppel-Blatt als Amazone figuriert, sprich mit jenem Schreckbild aufgescheuchter Kleinpaschas assoziiert wird, die in jeder prominenten Politikerin eine Männerfresserin wittern – wie das daselbst abgebildete Amazonenschlachtbild verdeutlichen soll, das einen tiefen Blick in die Untiefen der sexistischen Sümpfe dieses Männerhauses gewährt, in denen mann mit vereinten Kräften die lernäische Schlange zu besiegen hat. Laut Köppel sind ja die auf dem Niveau eines obskuren Antifeministenvereins vorgestellten Frauen, die die zu Höherem berufenen Männer immerfort um ihre wohlverdienten Karrieren bringen. Im Falle des überaus edlen Vorgängers von Madame Lagarde war es das Zimmermädchen aus Afrika. – so weit reicht Weibes Tücke – , das den Absturz eines Alphaaffen verursachte, was das Männerhaus, in dem es gegen Frauen nur so böckelt und dreckelt und pinkelt, zu den wildesten und wütendsten Fantasien gegen die Frau als die wahre  Täterin einer Vergewaltigungs-Anzeige inspirierte. 

Köppel, der sich bedingungslos auf die Seite des „brünftigen Schimpansen“ schlug, als hätte er einer Vergewaltigung des IWF-Chefs durch schwarze Putzfrau beigewohnt, fantasierte einen grotesk detaillierten „möglichen Tathergang“ zusammen (à la Hans-Peter Born, der die Frauenleiche im Kühlschrank beim ominösen Zwahlen-Prozess mit dem Ausgedachten über die böse Schwiegermutter anreicherte – vgl. dazu Walter Hauser: „Im Zweifel gegen die Frau“, Zürich 1997), ein Kabinettstück der skurrilen puerilen Fantasy-Welten aus dem Zürcher Männerhaus, die mit männermordenden weiblichen Ungeheuern bevölkert sind, Schreckbilder von „Amazonen“ (=Feministinnen), die offenbar mit den schnuckeligen Wohlfühl-Tussis gebannt werden müssen, unter deren Anblick die Redaktionsmannschaft sich von den Schrecken der Frauenbewegung erholen kann wie nur ein Mann im Puff.

Nachdem nun auch die dubiosen Milieuvernetzungen des früheren IWF-Chefs ans Licht kamen und DSK sogar von seinen letzten Durchhalte-Genossen fallengelassen wurde, müsste das Männerhaus der WW eigentlich in der Klemme sein. Aber das geniert das Blatt wohl weniger, mit welchem „Material“ (O-Ton Strauss-Kahn) die Bordelle der Welt gefüllt sind. Ist da Ablenkung angesagt?

Madame Lagarde, der man keine Überfälle auf Hotelpersonal nachsagen kann, und die auch nicht aus dem Stoff ist, aus dem ein jeder Strich-Strolch oder ein betuchter Besucher besagter Rotlicht-Salons geschaffen ist, ist dafür eine „Amazone“, – eines jener Wesen von männermordender Monsterart, von denen es nach den Wahnvorstellungen der Antifeministen-IG in den Frauenhäuser der Schweiz nur so wimmelt.

Nachdem es also nicht so recht hingehauen hat mit den abstrusen Pennälerfantasien, die Köppel zum fernen mutmasslichen Tathergang in der New Yorker Hotelsuite penibel bis in Einzelheiten beigesteuert hat, soll nun ein Gemälde der Amazonenschlacht illustrieren, was die Männertöterinnen als die wahren Täterinnen der Männerweltgeschichte treiben, die es auch noch auf den Sitz eines gewaltigen Gockels abgesehen haben, was einen Kleinbürger mit Aufsteigersyndrom und penetranter Prominenzambition, dessen antifeministische Obsession nicht gerade von einem liberalen grossbürgerlichen kulturellen Hintergrund zeugt, im Innersten erregt.  Lagarde ist zwar weder Kunde noch Zuhälter wie Millionen des laut Weltwoche feminismusgeschädigten Geschlechts (das laut Eugen Sorg auch noch Männer als Vergewaltiger zu beschuldigen wagt*… ), und sie sieht dazu auch noch gut aus,  – im Gegensatz zum verjässten Anblick des abgetretenen IWF-Chefpansen bietet die künftige IWF-Chefin dem Männerhaus von Zürich keinen Anlass, ihr auch noch Neid auf die Ehefrau Anne Sinclair nachzusagen… während sie gemäss Köppels Welt doch abschreckend sein müsste wie die Amazonen und Gorgonen…, aber wo das Foto nicht das erhoffte Abschreckbild hergibt, da hilft ein „historisches“ Gemälde aus, das die Albträume des Männerhauses widerspiegelt.

Das hängt mit dem Material zusammen, aus dem es gebaut ist. Beinahe wäre auch ein bekannter Organhändler von Carla del Ponte um seine Polit-Karriere gebracht mit krimineller Vorgeschichte worden – dazu fiel dem Männerhaus dann ein: nicht sie, sondern Dick Marty sei es gewesen, der sie entscheidenden Hinweise geliefert habe (die er bei ihr abgeguckt hat?).

Nein, auf dem Titel der Weltwoche ist diesmal kein Nackedei-Model von den Pinwänden der Redaktion zu sehen, dafür erfährt der geneigte Leser, dass Bundesrätin Doris Leuthard am Stuhl von Widmer-Schlumpf säge… Na sowas! Die Frauen haben hinterhältige Ambitionen, ganz im Gegensatz zu den überaus ehrenwerten Motiven der männlichen Politiker, die immer von Frauen gestürzt werden. (Fragen Sie Ruth Metzler). Zum Sägen an den Stühlen: · ·

  • Angriff auf BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf? Oder auf FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann? Oder doch besser auf den SP-Sitz, der mit Micheline Calmy-Reys Abgang frei wird? Nur: mit wem bloss? «Keine Kandidaten, dafür jeden Tag einen neuen Abwahlplan», schrieb der «Blick». Und: «Geht es so weiter, kommt als Nächstes der Sitz von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard ins SVP-Visier.» (Sonntag 13.11.11) :

Wie wär’s das nächstemal mit einem Manne namens Krneta auf dem Titel, der auch schon als „Schweizer Denker“ in der Weltwoche figurierte, einer der Meinungsgleichschalter, der am Stuhl von BaZ-Redaktor Somm sägen; worin das „Denken“ von Krneta besteht, davon gab die Mobilmachung gegen die neue BaZ-Chefredaktion des bisherigen linken Meinungsmonopolblatts eine Kostprobe. Denken mit Krneta gleich Ausschaltung Andersdenkender. (Da hätte man nachgerade auch Prof. Georg Kreis auf die „Denker“liste setzen können. Georg Kreis oder der grosse Schweizer Denker, der auf Gegenmeinungen mit Strafandrohungen zu reagieren pflegt.  Oder wie wär’s mit Hans Ziegler, dem Diktaturentouristen, den sein Schwarmgeistlager wahrscheinlich für einen grossen Intellektuellen hält? Oder warum nicht gleich Köppel, den das rechte Lager ebenfalls einen solchen zu halten scheint…)

What next? Wieder ein nackiges Model oder dergleichen Tussliges, dass alle Dusselköppe aus dem Antifeminismuspool zu ihren Schmuddelfantasien animiert? Dass es eine Frauenmehrheit im Bundesrat war, die den Atomausstieg mitbeschloss, scheint den Männerstall ganz besonders zu wurmen, oder was treibt die Mannschaft um, die über die über krebskranken Kinder von Tschernobyl zynisch hinweggspaziert (ach ja, die in die Schweiz zur Erholung eingeladenen lebten ja damals noch…), wenn nicht diesselbe menschliche Ignoranz, die die Väter nach dem Atomdesaster von Tschernobyl dazu trieb, reihenweise ihre Familien zu verlassen und die Mütter mit den kranken Kindern zurückzulassen.

Was aus den Frauen mit Kindern wird nach einer Trennung, die ja wohl nicht immer von Frauen verursacht wird, interessiert den Männerclub nicht, der ein angeblich konservatives Familienbild pflegt, aber dafür besorgt ist, dass die Frau auch mit Kleinkind nach der Scheidung, selbst wenn der „Partner“ die Familie verliess, kein Geld mehr vom Mann bekommt, d.h. Kind in die Krippe und Mutter auf Jobsuche in Konkurrenz mit dem kinderfreien Mann. Ein asoziales patriachales frauen– und mütterfeindliches Männermodell. Bleibt ja noch das Bordell, in dem der Männerstall einen idealen Frauenjob zu erblicken scheint, wie der Nuttenlook des Layouts ihn präsentiert. Als Firmenchefin ist die Frau für den Chef-Redaktor unerwünscht. Schwangerschafts-urlaub soll der Ruin der Firma sein, wie Köppel sich ausdenkt. (Nicht so die Auszeiten eines männlichen Unternehmers als Nationalrat, nicht wahr, daran geht die EMS nicht ein.)

Das Ideal der Puerilos sind die Sexpuppen, die das Blatt garnieren, männergefügige  Schmeichelweibchen, wie aus dem Thai-Katalog oder was hat der Köppel da bloss im Kopf? Aus welchem Sennenstall kommt das? Der Clou der Weltwochedelikatessen aber ist nebst der Penetranz ihres peinlichen plumpen Mainstream-Antifeminismus die Entdeckung der gesundheitsfördernden Radioaktivität, als würden sie von der Atomlobby bezahlt. Wenn das nicht nobelpreisverdächtig ist! _________________________________________________________________________________

Wie gesagt ist die Weltwoche nicht allein mit ihrer antifeministischen Obsession, die nicht nur Aufwind bekommt vom neuen IGAffen-Verein der Schweiz, auch bei intellektuell etwas besser ausgestatteten Publizisten geistert das Schreckbild Amazonen durch die spätsteinzeitlichen Hirne. Das findet sich auch in Texten zur Demografie, die die Bevölkerungsexperten aufschreckt, weil die Frauen sobald sie nur noch so viele Kinder bekommen können wie sie wollen und nicht wie sie nach dem Willen ihrer Herren sollen, den Untergang der Menschheit verursachen. Solche Männerfantasien machen besonders Sinn in Zeiten der globaler Krise der totalen Männerwirtschaft und weltweiten Herrschaft, die in ihrer Rohform des Orientpatriarchats zur Zeit den fortgeschritteneren Westen unterwandert. Da bekommen so manche Steuermänner und Inhaber der Definitionsmonpole für den Weltengang kalte Füsse. Erst kürzlich verliess ein FAZ-Mensch das „konservative“ Lager, um zum linken überzuwechseln, das mit dem Islam verbündet ist – vom rechten zum linken Patriarchat. Sie wechseln nur die Kleider… http://www.heise.de/tp/blogs/6/150656

*Die Weltwoche möchte Anzeigen wegen Vergewaltigung ohne zeugen gernerell abgeschafft wissen – vier zeigen nacch Scharia gefällig?

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Auch bei dem Autor von „Why Civilizations Die“, David Goldman, der das Aussterben sowohl der fortgeschrittenen westlichen Zivilisation durch den Geburtenrückgang moderner Industrie- Gesellschaften und gleichzeitig den Untergang des Islam mit ähnlicher Begründung voraussagt (wobei der als ideal angenommene Geburtenoutput, den sich auch die katholisch-konservative Islamkritik unverhohlen wünscht, der Bevölkerungspolitik des Islam auffallend ähnlich sieht…) finden sich so sonderbare Einfälle wie die Stelle, wo er die sagenhaften Amazonen als negatives Beispiel für aussterbende Gesellschaften aus dem Hut holt:

Aus einem Interview von Jamie Glazov mit David Goldman: 

  • Most of the nations of the world would rather die out than adapt to modernity; they are not much different from the neolithic Amazon tribes who succumb to alcoholism. Why do some nations find the spiritual resources to embrace life, while others chant, “We love death”? What is the rational self-interest of a nation that has chosen to become extinct? And how will nations on the way to extinction respond to their predicament? These are the great questions of our time, and materialist political science does not have the tools to answer them.
  •  http://frontpagemag.com/2011/11/14/how-civilizations-die/ Nov 14th, 2011

Man sieht, die Zivilisationen sterben mal wieder an den Frauen. Die Amazonen stehen hier nicht nur für ein Untergangsszenario, und Warnung an die Adresse von Frauen, die sich keinen patriarchalen Diktaten fügen, sprich Feministinnen, sondern auch für Verderbtheit wie Alkoholismus. Das ist zwar in grossem Ausmass – wie etwa in Russland oder Irland ein Nationalproblem, aber doch eher als ein mehrheitlich männliches Freizeitphänomen bekannt, aber es müssen Frauen müssen her, wenn es um das Verderben und die Verderbnis der Gattung geht, die soviel uns bekannt ist, eigentlich nicht von Frauen auf Grund gesteuert wird. Weder in Fukushima noch bei Lehman Brothers ff. Aber wenn eine Männermacht bankrott ist, dann sind die Frauen schuld, so die mittelalterlichen Männerfantasien der Weltwocheredaktion, die weiss, dass das Gefäss der Sünde Männer zu Falle bringt – in der islamischen Variante ist es das Brennholz für die Hölle.

Im Schweizer Antifeministenclub wirbt das ach so risikofreudige Geschlecht gerade für einen Heiratsboykott. (Was den Frauen wohl nicht schaden kann, auch wenn das nicht beabsichtigt ist.) Auf der Primatenebene der neuen Antifeministenhorden sind Frauen auch die Hauptverursacherinnen der „häuslichen“ Gewalt , wie Männergewalt im Haus gern genannt wird, die mit dem religiösen Prügelrecht der Moslemmänner Verstärkung bekommt. Hier eröffnen sich weitreichende Perspektiven zur Erneuerung männerbündlerischer Allianzen aller Art, unter denen das frauenbewegungsgeschädigte Geschlecht im Angesicht des selbst-verschuldeten kommenden Armageddon noch schnell zur Amazonenschlacht bläst. Die ist immerhin weniger risikoreich als die Auseinandersetzung mit der eigenen gloriosen Geschichte, die das patriarchale Hirn allzusehr sehr strapaziert. Drum probieren Sie Schonkost mit WW.

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