Die Angst des Penis vor dem Gebären

Posted on Juli 2, 2010

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Auch der sonst wohltuend ungläubige Henryk M. Broder überlegt auf seine Weise in der „Weltwoche“, warum die „Familien“ in Deutschland nicht mehr so viele Kinder kriegen wie früher und meint, es läge an der schlechten Laune bzw. der mangelnden Lebenslustigkeit und Zukunftszuversicht der mehr um ihre Sicherheit besorgten Deutschen… Titel des Artikels: „Angst essen Penis auf.“  Nun, dann müssten die kinderreichen Muslimas ja die frohgemutesten, die freudigsten Figuren auf dem Planeten sein, – da haben wir aber einen ganz anderen Eindruck und können nur sagen: 

Broder bleib bei Deiner Feder…

damit die Leselust nicht nachlässt 

Wir können eine gewisse klammheimliche Freude nicht verhehlen, wenn immer wir an die ernsthaften Überlegungen von Männern zur nachlassenden Gebärfreude der deutschen Familien denken. Sie haben so etwas Unschuldiges, geradezu Kindliches, wie alle wahre Wissbegier, die der Anfang echten Wissens ist, der Beginn der Aufklärung sozusagen. Selbst Männer, die wir zu den weniger Ahnungslosen zählen, um nicht zu sagen zu den Gewitzteren, ja den höchst Vergnüglichen, wie etwa den von uns immer gern gelesenen Henryk Broder (von Zeit zu Zeit sehn wir den Herren gern im Fernsehn, wo er zumeist die ganze Runde rettet vor dem geschlossenen Absturz in eine grössere geistige Katastrophe, die die chronisch muntere Moderatorin nicht bemerkt), geraten beim Thema der angeblich nachlassenden Lust am Kinderkriegen leicht in die  Sackgassen, die das Phänomen bereitstellt. Nicht weil sie sich keine Gedanken machten, sondern weil es immerfort dieselben sind, die sie noch miteinander teilen. Auch alte Füchse geraten hier aufs brüchige Eis und mit dem Schwanz ins Wasser, wovor schon das I Ging warnt. 

Dafür können sie freilich nichts. Es liegt in der Natur der Sache und in ihrer. Denn Mutter Natur hat sie nun mal nicht mit der nötigen Lust am Gebären  ausgestattet, die ihnen auch gestatten würde, uns über ihre mangelnde Freude an der Niederkünften auch noch andere als die bekannten Auskünfte zu geben. Das erging auch den weltberühmten Vertretern ihres Geschlechts nicht besser. 

Schon bei Altmeister Aristoteles entspringen die Kinder fix und fertig den Penissen, zwar noch etwas winzig, aber doch schon mit allem Nötigen von Vaters Formkraft ausgestattet, womit die weibliche Materia beseelt wird und mit Vernunft erfüllt, die aber nur den vatergleichen Früchtchen zuteil wird, bis der Herren grosser Geist nach vielen Jahrhunderten vereinter Anstrengungen herausfand, dass das Spermium allein nichts ausrichten kann, so gross die Lust am seiner Verbreitung auch sein mag. Der Penis schafft es schlicht nicht. 

Für seine Vermehrung war gleichwohl gesorgt, auch wenn und besonders wenn auf seiten der beteiligten Materie die nötige Vermehrungslust sich nicht einstellen wollte. Hier Abhilfe zu schaffen, erschuf man die Religion mitsamt dem Superpapa, dem allmächtigen Gruppentotem der vereinten  Männerhordenmacht, der auch den weniger vermehrungslustigen Frauen, die wo immer sie nur konnten, das pausenlose Kinderkriegen zu bremsen versuchten – mit noch so unzulänglichen Mitteln, auch verbotenen -, zu jenem ungebremsten Kindersegen verhalf, dessen Auswüchse man heute  Bevölkerungs-„Wachstum“ nennt, wenn man die Bevölkerungsexplosion meint, mit der die menschliche Misere wächst und wächst und wächst. 

Bis heute ist die bei der kriegerischsten Eingottreligion so beliebte Lust am wachsenden Massenelend der beste Nährboden für massenhafte Vermehrung. Dank Überfluss an Religion und Mangel an Ausbildung der Frauen und Fehlen von Verhütungsmitteln etc. 

Der Zusammenhang von „Wohlstand“ sprich Stellung der Frauen inklusive freiem Zugang zu Verhütungsmitteln einerseits und nachlassender Lust am Familienwachstum anderseits ist überall leicht nachzuweisen, nur dass mann dabei gern eine Kleinigkeit sorgfältig übersieht, die aber der Clou der Debatte wäre (wir unterstellen keine Absicht, sondern unverschuldetes Unvermögen, zuzugeben, warum zum Beispiel die Deutschen so viel weniger Kinder kriegen als mann das gewohnt war. Der Sachverhalt  befindet sich offenbar auch im blinden Fleck des Blickfelds der sogenannten Bevölkerungsexperten, deren manchmal recht schlaue Einfälle immer so herrlich haarscharf mit dem Kopf auf den Nagel im Brett davor treffen). 

Denn die Deutschen, von denen nun allerorten beklagt wird, dass sie zu wenig gebärfreudig seien, k ö n n e n  doch gar keine Kinder kriegen. Sowenig wie die Somalier oder die Türken. 

Weder in den Entwicklungsländern mit bekanntlich hoher Geburtenrate wie Somalia und Türkei oder gar im Gazastreifen, noch in den sog. entwickelteren mit sichtlich niedrigerer wie Deutschland sind es die Familien, die die Kinder kriegen, sondern allenfalls die Frauen in und ausserhalb der Familien. (Die Ausrede, die Deutschen seien ja die deutschen Frauen, gilt nicht, denn so waren sie nie gemeint, woher auch jetzt plötzlich sollten sie. Nach deutschem Sprachgebrauch sind die Deutschen und andere Landsmänner halt keine Frauen, sondern haben immer welche. Ebenso wie die Türken, die auch keine Frauen sind, sondern „der Türke“, zu dem der Deutsche geht, wenn er z.B. ein von einer türkischen Familie betriebenes Lokal aufsucht. (Auch wenn der Deutsche eine Frau ist, geht er natürlich zum Türken und nicht etwa zur Türkin in die Imbissstube, weil die dort erstens selten allein ist und zweitens die Türkinnen als solche eher im Frauenhaus anzutreffen sind). Also bekommen die Deutschen auch keine Kinder. Wie denn? 

Was u.E. nicht dem deutschen Pessimismus der Penisse zu verdanken ist, den Broder als ursächlich dafür rausfindet, denn es gibt ja Gegenden mit deutlich  optimistischer dreinblickenden südlich aufgelockerten Menschenarten in Italien oder Spanien, wo die deutsche Art eher als befremdlich auffällt bis belustigend, obwohl sie eher lustlos ist, – wo aber gleichwohl die Geburtenrate noch niedriger ist als in Deutschland. Die Lebensunlust des deutschen Menschen kann es also nicht sein. Was dann? Vielleicht ist es nur so, dass die Frauen im Vaterland vermehrt Lust haben, zu tun was sie wollen statt was sie sollen, also mehr Lust am eigenen Leben haben als dem, was man sich dazu für sie ausgedacht hat im Laufe der männlichen Geistesgeschichte, Theologie und Philosophie.                 

Zweitens dürfte die hohe Gebärquote in den Elendsländern der Welt nicht gerade das Ergebnis von weiblichem Optimismus und frohem Blick in die Zukunft sein, sondern zeugt wohl eher vom Sexualvandalismus einer religionsverstärkten Killer-, Vergewaltiger und Prügelaffenart, die ihre Schwänze nicht bremsen kann, was bei mangelnder Möglichkeit zur Verhütung für Frauen, gepaart mit partnerschaftlicher Gewaltlust, die in  schlecht säkularisierten „Kulturkreisen“ noch viel vorzüglicher gedeiht als in religionsfreieren Zonen, jene „Gebärfreude“ gebiert, die nur in Papas Kopf existiert, dem sie entsprungen ist. Denn diese Freudigkeit lässt schlagartig nach, sobald die Frauen in der Lage sind, sie nicht mehr auskosten zu müssen. Sobald sie nur noch so viele Kinder bekommen können wie sie wollen und nicht wie sie sollten (kleiner Unterschied in der Selbst- und Fremdwahrnehmung), haben sie offenbar keine Lust mehr, so zu wollen wie sie sollen bzw. wie  mann will. Warum sollen sie? Und das unabhängig davon, wie lustig oder unlustig die Penisse sind, die diese Lust etwas zu sollen was man bzw. frau ja gar nicht wollen muss, gar nicht kennen. Und sage jetzt keiner, die Potenzangst sei der Grund für die Gebärunlust des Mannes. 

Wenn eine Inderin zehn Kinder hintereinander bekommt ab sagen wir dem zwölften Lebensjahr, tut sie das wohl weniger aus Optimismus und weil sie so frohgemut in die Zukunft blickt, die auch sie bedrückt wie alle Aussichten der Mutter auf ein verelendetes Kind (auch in Afrika waren es die Frauen, die die Verhütungsmethoden wie die verlängerte Stillzeit erfanden, weil ihre Lust am Gebären offensichtlich nie so ausgeprägt war wie die der Männer), sondern weil sie entweder nicht mehr raus kann aus dem Harembullenstall eines der in Indien so zahlreich vermehrten Moslemmänner (dort so massenhaft vorhanden erstens aufgrund der  Ermordung von ca 80 Millionen Indern, zweitens infolge von „Wachstum“ durch Dauervergewaltigungsrecht an ihren leibeigenen Frauen) oder aus dem Haus einer anderweitig religiösen Mitgiftmördersippe, oder aber einfach nicht von der Strasse weg kann. So wenig wie eine hohe Sterberate in den Slums von Calcutta u.ä. Stätten des väterlichen Wirkens von Mutter Theresa auf eine besondere Sterbelust schliessen lässt oder einen weniger pessimistischen Blick aufs Jenseits, wo die Heilige sich zur Zeit von Carol selig  Wojtyla beraten lassen kann über weitere Massnahmen zur Vermehrung der nachlassenden Vermehrungslust der Frauen auf Erden. Wer nur die Bilder der Dritte-Welt-Mütter mit ihren verhungernden Kindern im Kopf hat, kann kaum auf die Idee kommen, es handle sich bei dieser gottgewollten Vermehrung der Misere um die pure Lust daran.     

Nicht nur in Europa lässt die Lust am Kinderkriegen bei denen, die sie kriegen, in dem Masse nach, in dem sie nie bestanden hat, sobald die Frauen etwas dagegen unternehmen können und nicht in afrikanischen Dörfern leben, wo jede Frau entweder prostituiert oder aidsverseucht oder beides ist. Wenn sie sich der Männer erwehren könnten, wäre Schluss mit lustig. Auch Schluss mit dem grössten Fressen für die Penisse, die sich so lustvoll an den immer jünger werdenden Mädchen in Afrikas Aidszonen weiden, weil mann keine andere Geburtenkontrolle kennt als die Vermehrung der Sterberate.  

Die Lust der Frauen an der männlichen Vermehrungsart scheint allerorten weniger ausgeprägt zu sein, und zwar egal wie viel Lust Vater Staat an den Kindern hat. Letzteres ist den Herrn zwar aufgefallen, aber sie können es sich nicht recht erklären, woran das liegen mag, dass die Frauen nicht so wollen wie sie sollen und die Geburtenexperten sich das vorstellen. Natürlich kann Vater Staat die Schrauben der Gebärfreude immer wieder mal etwas lockern oder wieder anziehen, wie etwa in Irland oder noch in Polen oder weiland Rumänien, und die Geburtenkontrolle, die Abtreibung oder auch die Verhütung ganz verbieten wie in Ortegas Paradies; dann steigt die Geburtenrate proportional zu den Gelüsten nach Frauenbevormundung, wie überall, wo auch die Kirche die Zeugungsfreude der Väter zur Gebärpflicht erklärt. 

Das allseits beliebte Wörtlein von der Gebärfreude, das so verbreitet ist wie die Reflexformel der Presseberichte etwa über eine Elfjährige die gebären musste: „Mutter und Kind sind wohlauf“, vermeidet Broder zwar, so als traue er dem kalten Braten nicht so recht, den er hier frisch aufgetischt hat, und den er noch ein bisschen nachpfeffert, aber die Freude steckt im Detail von der „Lustangst“, was wir wohl als die Angst des Mannes vor seiner Zeugungslust zu verstehen haben, denn wenn wir recht orientiert sind, haben die Frauen keine Penisse, sondern benutzen sie allenfalls. Fragt sich wie gesagt nur, wem denn die Lust an der Lust vergeht, wenn er mehr gebären soll als er will. Sollte Henryk Broder Lust bekommen ein bis drei Kinder zu gebären und sie alle drei nebst seinem Schreibtagewerk freudig aufzuziehen, unbesorgt um seine Gegenwart, aber nicht unbedingt mit Beihilfe von „Partnern“, sondern lieber mutterlos, dann würden wir das Kinderwunder aus Papas Schoss gerne kennenlernen, alle drei. Aber weil wir die Urangst des Mannes vor dem Leistenbruch bei der Schwerarbeit der Lustleistung nicht unterschätzen, möchten wie doch lieber raten, jeder möge bei seiner Feder bleiben. Nicht jedem nach seinen Bedürfnissen, aber jedem nach seinen Fähigkeiten. Im übrigen sind wir zuversichtlich, dass auch der freischwebendste Penis gewisse Sicherheitsbedürfnisse entwickeln und sich hüten wird so fröhlich draufloszugebären, sobald er nur Gelegenheit dazu bekommt.                    

Im übrigen möchten wir uns noch lange an Broders Schreibkünsten erfreuen, zumal die deutsche Schreiberszene sonst nicht viel Lustvolles zu bieten hat GF

http://www.weltwoche.ch/artikel/Default.asp?DossierID=0&AssetID=14091&CategoryID=51

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