Fürstliches Guthaben für die Ewigkeit

Posted on Juni 24, 2010

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Der Kardinal und die Fürstin

Hurrah hurah das ancien régime ist wieder da!  1.11.08

Nachdem der Kardinal und die Fürstin sich gegenseitig interviewt haben über ihren Glauben in einem gemeinsam verfassten Buch zu „den Fragen, die im gesellschaftlichen Raum stehen“, Fragen, die viele Menschen interessieren, wie die Fürstin weiss (von welchem Public-Relations-Manager aus der klerikalen Führungsriege mag die diese Glanz Idee mit Gloria lanciert worden sein?), wird die Fürstin Gloria nun auch im Deutschlandfunk interviewt (von Hartmut Krieger, 9.10.2008, am 50. Todestag von Pius XII.) – politisch korrekt und diskret wie sich versteht, keine einzige Frage, die die Fürstin aus ihrer feudalen façon bringen könnte, die so kreuzschlau wie selbstbewusst ist. Die Kreuzung von kardinalem Know-how und feudaler sozialer Ignoranz ist ein ganz gelungener Coup der Kirchenfürsten-Zirkel, die die Krise der Moderne zu bestehen haben und clever wie die klerikale Zunft nun mal ist, sich des weiblichen Aushängeschilds zu bedienen wissen.

Wenn das nicht das Interesse aller Frauenzeitschriften-Leserinnen unter der Friseurhaube zu erreichen verspricht! Wollten wir wetten, wer von beiden die mehrheitsfähigere ist in der Blödelgesellschaft, Palin oder „die Fürstin“, die Wahl fiele schwer. Palin weiss jedenfalls schon mal, dass die Erde 5000 Jahre alt ist und dass die Russen, wenn sie kommen, nach Alaska gehen. Wenn das keine Aussichten sind!

Mit der Fürstin teilt Palin die unerschütterliche Gewissheit über das Gute und das Böse. Das Gute ist auf Seite der Gottgläubigen, das Böse steckt denen, die nicht glauben, was Gott von ihnen erwartet, und ganz verworfen sind die Frauen, die sich nicht nach den Vorstellungen der Gottesmänner vermehren wollen. Auch die Fürstin mit den runden Kuhaugen weiss, worauf es in dieser Welt ankommt. Dass alle sich für das Gute einsetzen. Das Gute kommt aus dem Vatikan. Hartmut Krieger fragt leider nicht, was denn an ihren Vorstellungen gut sein soll für die ganz anders oder gar Nicht-Gläubigen und mit welchen Mitteln und Methoden man sie von der Gutartigkeit ihrer Vorstellungen überzeugen soll? Mit den Mitteln des Strafrechts, das die Organisation des Kardinals bekanntlich für besonders geeignet hält als, Frauen auf den
einzig wahren Weg der katholischen Sondergruppenmoral zu bringen? Wir erinnern an den erbitterten Kampf der katholischen Kirche gegen die Liberalisierung des frauenfeindlichen Männergesetzes zur Abtreibung. Nun hat diese Kirche, die keine Ruhe geben wird, solange die Fristenlösung gilt, eine Frau als Aushängeschild gefunden, die ihre Rolle spielt im Herren-dienst wie einst Phyllis Schlaffly gegen das Equal Rights Amendment in den USA. Die kam ihr ganz spontan in den Sinn. Sie hat Kardinal Meisner natürlich „einfach spontan gefragt.“

Die kardinale Antwort auf die kardinale Eingebung der Fürstin liess nicht auf sich warten, sie kam auch ganz spontan wie der heilige Geist. Auf die Frage von Krieger, ob sie schon daran gedacht habe, dass ihre Meinung nicht mehrheitsfähig sei, versichert sie im ungebrochenen Triumphgefühl der feudalen Gewissheit, dass die Vorstellungen einer so kardinalen Kaste wie der kirchenfürstlichen nicht auf schnöde demokratische Mehrheiten setzen muss (es ist wieder soweit – für die Kirche war der zähnekrnirschende Kompromiss mit der Demokratie nur vorübergehend, es kommen wieder bessere Zeiten – , darum gehe es ja gar nicht. Sie kennt etwas viele Höheres als Aktienmehrheiten, denn wer sich im Besitz der einen Wahrheit befindet, was kümmern den noch Mehrheiten. Das kleine Problem ist nur, wie man in der Demokratie die Minderheitenmeinung mehrheitsgültig macht. Dazu bedarf es des Managements, wovon die Fürstin und der Kardinal beide etwas verstehen.

Nun ist es das gute Recht aller Staatsbürger, eine Minderheitenmeinung zu vertreten, – auch die Mehrheitsmeinung ist bekanntlich nicht immer das Wahre Gute. Aber da es sich in dieser Konstellation um eine Minderheit handelt, eine Glaubensgruppe, die es von alters gewohnt ist, ihre Moral der Mehrheit als die einzig wahre vorzuschreiben und die sich bis heute noch nicht so recht abfinden kann mit der Demokratie und der Existenz von Protestanten und Gottlosen aller Art, die sie tief verachtet, klingt das Bekenntnis der Fürstin zur exklusiven katholischen Gruppenmeinung als dem Inbegriff des Guten und Wahren zum Aufhorchen. Da hat die alte kardinale Frauenkenner- und Kinderfreundefront ein ganz besonders bunt aufgezäumtes Pferd in die Manege geschickt…

Es geht wie die Fürstin mitteilt, darum, „Fragen zu klären, die viele Menschen interessieren.“ Interessant daran wäre nun, wer die für wen „klären“ soll und welchen Mitteln, aber das klärt das Interview leider nicht ab. „Es sind ja nicht Fragen, die kein Mensch vorher beantwortet hat„, lässt die Fürstin wissen. Wie wahr. Stehen doch die Antworten bereits im Codex Juris Canonici. Das hat schon die Fragen für uns alle beantwortet, die die Fürstin gar nicht erst stellen muss… Schade, dass auch Hartmut Krieger keine dieser Fragen stellt. Auch der Kirchenfürst wird dummerweise nicht mitinterviewt, es wäre uns ein doppeltes Vergnügen.

„Das sind Fragen, die man durchaus auch mit dem Pfarrer zu Hause besprechen könnte, aber das Interessante ist eben, wie antwortet der andere Mensch darauf“ spricht die Fürstin. . Wer mag der andere Mensch denn sein?

Ein Männlein steht im Walde so still und stumm, es hat von lauter Purpur ein Schärplein um. Sag wer mag das Männlein sein, das kann kein gewöhnlicher Laie sein. Der „andere Mensch“ ist in der Tat ein ganz anderer Mensch als der gewöhnliche Mensch:

„also wie antwortet der Kardinal Meisner, wie antwortet der heilige Vater in seinen Büchern auf diese Fragen“

Wir haben verstanden. Die Fragen, die viele Frauen interessieren, die beantwortet der andere Mensch. Der andere Mensch ist der Papst. Nun werden wir aber neugierig auf die Fragen, auf die der andere Mensch immer antwortete, auch wenn er von anderen Menschen nicht danach gefragt worden ist, und Krieger fragt nach keiner einzigen dieser doch so hochinteressanten Fragen, die so viele Menschen interessieren sollen. Müssen wir denn erst das Buch lesen? Er könnte die Fürstin zum Beispiel fragen, für w e l c h e anderen Menschen denn die Antworten des Papstes gelten sollen. Aber sie kennt noch mehr interessante Fragen, nach denen der DLF nicht fragt:

„…wie haben zum Beispiel vorherige Generationen auf solche Fragen geantwortet?“

Auch die vorherigen Generationen scheinen für die Fürstin vorwiegend aus Kardinälen und Päpsten bestanden zu haben. Was die anderen Generationen an anderen Antworten gegeben haben als der Papst, z.B. die Generationen, die das Feudalregime und seine unmenschlichen kirchenkonformen Gesetze abschafften, „auf solche Fragen“ (welche?) geantwortet haben, das kommt hier nicht näher zur Sprache.

Nun fragt aber Hartmut Krieger, nach einem kurzen Hinweis auf Kierkegaard, den die Fürstin möglicherweise für einen verarmten Adelszweig hält oder eine Reitschule (so wie Frau Palin weiss, dass Alaska direkt neben Russland liegt und Putin, der „jetzt wieder sein Haupt erhebt“ (!), jederzeit herüberkommen könne, wie es jüngst in der Rheinischen Post zu lesen stand), ob der Glaube nicht Privatsache sei.

Davon will die Fürstin nun gar nichts wissen. Der Glaube dürfe nicht in die Wohnzimmerecke gedrängt werden. Geschickt geschickt von Kardinal&Co., dass man die Fürstin vorschickt, die schon mal das Terrain testen kann für die kommende Konfrontation – mit der Konkurrenz-Religion, die keine Trennung kennt von Staat und Religion? Gott bewahre. Es geht wohl um die Rettung der Seelen vor der Gottlosigkeit, wie die demokratische Freiheit sie noch erlaubt.

Es würde sich aber noch nicht so gut anhören zur Zeit, wo Kirchenchristen versichern, sie seien für die strikte Trennung von Religion und Staat – im Islam, wenn man zu schnell ausplaudern würde, dass man die gottesstaatliche Ordnung klammheimlich herbeisehnt für die eigene Firma. Ach wozu haben wir noch eine Fürstin, die das deutsche Untertanengemüt so heimatlich berührt und an die herrlichen Zeiten des Zusammenwirkens von Thron und Altar erinnert, dass uns ganz sonderbar ums Herz wird. Wo sind wir hier im Deutschlkandfunk? Welches Deutsche Landes-Fürstentum soll das denn sein? In der Fernsehsendung war das kirchenfürstliche Duo schon mit sinnigem Design aufeinander abgestimmt, – er mit dem kleinem roten Käppi, das den hohen Rang des Gottesmännchen anzeigt, sie mit knallrotem Kleid und Knöpfen, die um ein vielfaches grösser waren als die der Soutane. So erscheint er auf den ersten Blick als ihr demütiger Diener – aber die Kleidung des Meisters ist immer diskreter als die seiner Dienerschaft. Doch, die Fürstin gibt eine siegessichere Magd der Theologie ab.

Nein, Religion im Herrgottswinkel – das sei eben nicht „unser Auftrag.“ Da habe sie gelernt von Johannes Paul II, der eben „alle möglichen Medien genutzt habe, um seine Botschaft weiterzugeben„, und da habe sie sich gesagt: „gut, wenn uns der Papst das vormacht, dann dürfen wird das auch.“

Gut, nicht? In der Demokratie dürfen wir doch, was der Papst uns vormacht, oder? Und wehe wir wollen nicht, was wir sollen, wenn der Papst es vormacht. Das Gebären kann er uns ja nicht vormachen. Auch Hartmut Krieger dürfte genau wissen, dass der Kardinal nur sagt, was auch den Papst denkt, der den Anspruch der Männermoral, genannt Moraltheologie, für alle Frauen zu gelten, nie aufgegeben hat und Frauen im Stil mittelalterlicher Verteufelung für „abscheuliche Verbrechen“ brandmarkt, die keine sind in der Demokratie und für jeden human gesinnten Menschen. Was die Fürstin mit „Wir“ meint, sind wir nicht. Den „wir“ sind ja nicht Papst.

Man dürfe nicht mit der Holzhammermethode kommen, weiss Frau von Thurn und Taxis, das nicht, „…aber wenn sich ein Forum biete, wo man die frohe Botschaft Jesu Christi weitergeben könne in irgend einer netten sympathischen Form„, dann müsse man das tun und dürfe sich auf keinen Fall den Maulkorb umhängen lassen.

Auf keinen Fall, das will der DLF auf keinen Fall. Der Maulkorb ist für ganz andere Menschen reserviert.

Wie gibt man nun die Verbote des Kirchenrechts mit den Mitteln des Strafrechts an die Adresse der ungläubigen Frauen als vermeintliche „Botschaft Jesu“ weiter, ohne gleich den Hexenholzhammer von Meisner hervorzuholen? In netter sympathischer Form, gell? Mit netten sympathischen Holocaustvergleichen.

Die Fürstin ist gut präpariert für diese Foren. Sie weiss, dass man sich keinen Maulkorb umhängen lassen soll! Klingt besonders pikant in den Ohren aller, die noch gut wissen, mit welchen Morddenunziationen, mit welchen Verteufelungsmethoden die ungläubigen Frauen für den Verstoss gegen das alte Kirchenmännermoralgesetz attackiert wurden von diesen netten sympathischen Frauenverfolgern.

Die Umkehrung funktioniert. Die Fürstin hat auch schon das Wort „Appeasement“ aufgeschnappt beim kardinalen Briefing. Im kirchlichen Old- and Newspeak heisst nun der Verzicht auf Verteufelung der Gottlosen „Appeasement“. Denn sie meint ja wohl kaum den Islam, demgegenüber die Kirche allerdings das Appeasement betreibt im Dialogtheater, das der Fürstin kein Begriff ist.

„Sind denn die Katholiken in Deutschland zu zaghaft Ihrer Meinung nach“? fragt. Krieger, oder ist das Führungspersonal zu bekenntnisschwach?“

fEine schöne Frage von Krieger. Gefällt uns. Denn wir haben das Führungspersonal noch nie als zu bekenntnisschwach kennengelernt, wenn es um die Frauenführung ging, da wurde mit dem Holzhammer eingedroschen auf die Frauen, die sich nicht von einer Klerikerkaste das Moralgesetz machen liessen, da wird noch immer mit der Holocaustkeule zugeschlagen, ob Johannes Paul, ob Meisner – sie haben es alle der Fürstin vorgemacht, wie man das macht.

Ach was soll denn so „bekenntnisschwach“ am lautstark gegen Frauenrechte protestierenden Führungspersonal dieser Firma sein? Etwa die Leisetreterei gegenüber dem „glaubensstarken“ Islam? Das kann´s nicht sein, denn diese vermeintliche Bekenntnisschwäche ist die nichts als die Hoffnung auf die Glaubensstärkung durch den von Johannes Paul so innig umarmten Islam. Ob die Fürstin auch schon den Koran geküsst hat? Denn was dem Papst recht ist, soll doch auch „uns“ erlaubt sein. Er hat es doch vorgemacht. Möchte sie vielleicht auch ein geistliches Amt übernehmen, oder möchte sie doch nicht alles nachmachen, was die Herren ihr vormachen? Die Fürstin kennt ihren Platz in der Hierarchie. Sie möchte gewiss nichts tun, was der Papst ihr nicht erlaubt.

„Ich muss schon sagen, in Deutschland hat in dieser Zaghaftigkeit schon eine Tradition. Uns wird ja vorgeworfen, wir wären in der Nazizeit nicht laut genug gegen die Schergen vorgegangen.“ (!)

Kardinal Meisser weiss hingegen, wie man gegen die abscheulichen Verbrecher vorgehen muss, die den Holocaust bis heute begehen. Das ist Widerstand von Feinsten.

Wir möchten an dieser Stelle ein Beispiel zitieren, eine beispielhafte Episode, die sich abspielte im Deutschland nach der Nazizeit, und die zeigt, wie das Lager von Meisner gegen den Holocaust vorging im Jahre 1974.

Es war die Zeit der politischen Diskussionen und Frauenproteste gegen den 218, ein Jahr vor dem Verfassungsgerichtsurteil. Hier ein Leserbrief aus dem Spiegel, ein Zeitzeugenbericht:

Als Augenzeuge des Aufmarsches einiger tausend papistischer Krawallmacher während des SPD-Parteitags in Hannover, möchte ich folgendes mitteilen: Als ich, qua Passant, von diesen Leuten belästigt, mich ruhig und sachlich zu erklären bemühte, dass Abtreibung „Mord“ zu nennen hinterlistige Demagogie sei, drohten mich ungefähr zwölf wörtlich „umzubringen.“Ich wuder unter anderem auf den Boden geworfen, , und – unter Beifall – trat mir eine bejahrte Nonne ins gesicht. Ein im priesterlichen Habitus anwesendes Subjekt meinte dazu: „Dieser israelische Lümmel ist im Dritten Reich bei der Vergasung vergesdsen worden.“  (Was zutrifft.).

S. Landstein, München, Spiegel 24, 11.6.73

Wir würden es ja nicht glauben, wenn wir nicht selber erlebt hätten, welche Stimmung damals von Kirchenmännern gegen die Frauenbewegung angeheizt wurde. Welches Klima der Verketzerung und Verteufelung und Kriminalisierung von Frauen als Mörderinnen von den Kanzeln in Hirtenbriefen verbreitet wurde. Es war Hexenjagdszene.

Die klerikerhörige Fürstin ist nur eine Vorbotin, ein Testballon. Sie spielt ihre fromme Rolle gut, aber sie weiss nicht, was für eine Rolle das historisch ist. Das macht sie so umwerfend, so untangierbar. Vielleicht stellt Krieger keine deutlicheren Fragen, weil das in diesem Fall hoffnungslos ist. Er müsste sie an die Adresse Meisner stellen, oder noch eine Stelle weiter nach oben.

Über diese Stelle, die zur Zeit des Holocaust ein anderer Stellvertreter einnahm, der sich durch seine Schweigsamkeit gegenüber dem Judenmorden auszeichnete, und der auch nichts einzuwenden hatte gegen das Nazigesetz der Todesstrafe für Abtreibung bei deutschen Frauen (wozu die Kirche bis heute schweigt, denn das ist ganz in ihrem Sinne, während sie die Nazi- Zwangsabtreibungen an Jüdinnen perverserweise noch heute zur Verteufelung der legalen Abtreibungsliberalisierung heranzieht) brachte der Deutschlandfunk nach der Fürstin einen Beitrag aus Religion und Gesellschaft, nämlich zum 50. Todestag von Pius XII., der seinem innerkirchlichen Wirken galt.

Dazu gab´s ein Interview ebenfalls von Hartmut Krieger mit Rudolf Hill, Prof. für neue Geschichte in Köln. Hill meinte auf die Frage nach dem Pontifikat von Eugenio Pacelli, das noch bei vielen Katholiken lebendig sei als Ideal der katholischen Zentralmacht, inklusive der Überwachung von Klerikern und Laien, der extreme Zentralismus, den Pius 12 und seine Kurie gepflegt habe,

Hill „Man war eben seit 1850 der Meinung gewesen, dass nur eine monolithische Kirche den Stürmen der Neuzeit widerstehen kann, und das alles hat Pius XII auf den Höhepunkt gebracht, – anachronistisch, es war viel zu spät.“

Zu spät für was? Für das Zurückdrehen der Neuzeit? Nun hat die Kirche ja im Gegensatz zu den rechtzeitig beseitigten Häretikern die Stürme recht gut überstanden. Wann wäre es den früh genug gewesen wofür? Hätte Pius zur Zeit der Aufklärung wirken sollen?

Hill: Man fragte wegen der kleinsten Dinge in Rom an, um von dort eine Antwort zu bekommen. Das kann man sich heute gar nicht vorstellen…

Doch, das kann man. Man muss nur die Fürstin von Thurn und Taxis erblicken und hören, wie sie sich vom Papst vormachen lässt, was sie mit Kardinal Meisner nachmachen darf. Sie ist zwar keine gewöhnliche Untertanin deutscher Fürsten, sondern gehört zur oberen Kaste, aber in Bezug auf die päpstlichen Kardinalsebene ist sie doch nur eine Untertante, die nicht mal Kardinal werden darf, sonder nur durch Heirat aufsteigen in den nächst vermögenderen Stand.

Hill: In einer Kirche wie der Pius 12. wusste jeder, was er zu glauben, zu denken und zu tun hatte. .. er hat versucht, auch vom Lehramt in die Politik einzuwirken…

Durch Schweigen zur Shoah?

„… und er hat ja auch in den Enzykliken und als er endlich sich zur Demokratie bekannte, gesagt: Ja, aber die Demokratie muss eine gesunde Demokratie sein´, bei der in allen Fragen des Naturrechts und der biblischen Überlieferung das kirchliche Lehramt und dessen Äusserungen akzeptiert werden.´ Das ist eine Kontinuität die so nicht einmal Paul VI vertreten hat, die aber seit Johannes Paul II wieder römisches …Eigentum geworden ist, sodass man vielleicht sagen könnte, wenn Sie auch von der Gegenwart sprechen: die Periode des hoch gesteigerten päpstlichen Absolutismus und der Beschränkung auf die eigene Kirche ist 1958 zu Ende gegangen, aber sie ist 1978, was den inneren Bereich der Kirche angeht, sukzessive wiederhergestellt worden

Krieger will dann noch wissen, ob dieses Pontifikat in der Kirche nicht stärker nachgewirkt habe als die nachfolgenden Pontifikate, wir stünden ja immer noch

in dieser Ambivalenz des Zurückblickens auf die vermeintlich gute alte Zeit und der Öffnung der Kirche hinein in einen sich gärenden fast globalisierenden Raum…“.

Wozu Hill meint, dass eine völlige ökumenische Annäherung mit der Rückkehr zum Kurs von Pius unmöglich gemacht werde, die nach der Meinung des Historikers die einzig sichere Chance für das Überleben der christlichen Kirche ist.

Für das Überleben der Kirche sei die Konzeption von Pius zu eng gewesen, meint der Historiker, dazu hätte es des konziliaren Ausblicks auf den „kompletten Ökumenismus“ bedurft.

Chrislam? Oder was heisst hier komplett? Das islamokirchliche Komplott gegen die Christen, die noch Widerstand leisten?

Uns fällt immer auf, dass wo immer von den „grossen Fragen der Welt und der Menschen“ die Rede ist, die derzeit grösste nie genannt wird. So wie auch Prof. Ulrich Beck uns nicht verrät im Interview mit dem DLF, was ihn denn wie „uns alle“ so sehr „bedrückt.“ Könnte es sein, dass uns etwas ganz anderes bedrückt als diese Herren?

Hören wir uns noch mal die frohe Botschaft in irgend einer netten und sympathischen Form von der Fürstin an (zur Politik von Pius XII):

„Ich sage auch wenn dieser Vorwurf der letzten Endes nicht berechtigt war, weil wir ja wissen, dass man durchaus zurückhaltend sein musste, um seine eigenen Leute vor der Gaskammer zu schützen – Aber aus dieser Kritik lerne ich, dass ich sage wenn damals – wenn heute der Vorwurf ist, wir wären damals zu vorsichtig zu zaghaft und zu ruhig gewesen, dann dürfen wir das in einer freien Welt, in der keine Gaskammer droht, wo nur ein medialer Scheiterhaufen droht, dürfen wir nicht so zaghaft sein, und  m e i n Vorwurf würde sein: ich glaube tatsächlich, dass unsere Kirchenfürsten heutzutage wieder sehr ruhig und zaghaft sind, aber das liegt auch an einer generellen Atmosphäre politisch als auch kirchlich des Appeasement. Wir leben in einer Zeit, wo man immer Friede fröhlich Eierkuchen – man möchte bloss niemandem auf die Füsse treten, und wenn der Preis ist, dass die Wahrheit anner Seite runterfällt – man möchte keine Konfrontation. Das sehen wir heute in der Politik ganz deutlich, den Appeasementkurs, und diese Atmosphäre macht sich natürlich auf breit inner gesellschaftlichen Ebene, und da bleibt die Kirche nicht von weg, also die Kirche ist auch – wir sind alle auf Appeasement eingestellt, harte Worte der Konfrontation gibt es seit vielen Jahren nicht mehr wird, wird es vielleicht irgendwann wieder geben, aber im Augenblick ist das nicht gewollt.

Schon Pius fiel es schwer, die Demokratie zu akzeptieren. Aber welchen Appeasementkurs meint wohl die Fürstin, von dem sie abrät? Wie nett und sympathisch darf die harte Konfrontation, die sie vermisst, denn sein? Möchte Sie´s nun nett und korrekt oder hart und zur Sache? Das ist nicht leicht zu entwirren bei einer gewissen Begriffsverwirrung.

Krieger: Das angesehene Wirtschaftsmagazin Business Week hat Sie vor ein paar Jahre zur zehntbesten Finanz Managerin der Welt gekürt, sie herrschen sozusagen über ein weitgespanntes Imperium …gerade in diesen Wochen und Monaten dürften Sie allerhand zu tun haben ..Wenn man sich dann mit so einem Buch auseinandersetzt, das eigentlich nicht viel bringt, dann hat man eine Botschaft. Was ist ihre Botschaft?

Die Fürstin, nun ganz im Element als Botschafterin des Vatikans:

„Was heisst hier bringen! Also ich glaube ..am Ende unseres Lebens werden wir daran gemessen, inwieweit wir tatsächlich für die gute Sache gekämpft haben…Seelen zu retten…daran glaubt der katholische Christ, dass es einfach im Leben darum geht, andere Menschen mitzureissen im Glauben und andere Menschen zu retten…

Alles andere was wir hier tun – also Vermögen verwalten – für das irdische Wohl zu sorgen und Arbeitsplätze zu beschaffen und erhalten, das ist natürlich wichtig, aber in der Ewigkeit wird das viel weniger wichtig sein, insofern glaube ich dass so ein Buch sagen mer mal auf meinem Konto nachem Tod en viel wichtigeren Stellenwert haben wird als meine Arbeit als Vermögensverwalterin.

Wenn das keine grundlegende katholische Theorie vom göttlichen Lohn für die irdische Glaubensbewirtschaftung ist, Max Weber für Katholiken sozusagen, oder wie vermehre ich mein Konto im Himmel durch Fleiss und Tüchtigkeit in der Vermehrung des Glaubens. Also sammelt man sein Vermögen im Jenseits, indem man den zu rettenden Seelen auf nette und sympathische Art erklärt, dass sie im irdischen Leben bei ihren irdischen Verrichtungen kein Kondom nehmen dürfen, dass der Staat sie nach den sympathischen Gesetzen der katholischen Moraltheologie zu bestrafen hat, wenn sie, auch nach Vergewaltigung abtreiben. Doch, die Fürstin ist eine Bombe in der turbulenten Zeiten der Moderne, eine tolle wetterfeste Galionsfigur für das Schiffchen Petri im Sturm.

Kardinal Meisner weiss, wie man das Schiffchen flott macht mit einer flotten Businessbiene, die das Bienenköniginsyndrom verkörpert, wie Feministinnen den Sonderstatus der Patriarchatsgehilfinnen die für treue Dienste prämiert wurden, nannte. Der kardinale und sein Girl sind sich einig, dass alle Frauen, die die Kirchenstrafgesetze nicht befolgen, wegen „Mord“ über Bord gehören. Denn die grossen Fragen der Welt und der Menschen, die werden von den anderen Menschen beantwortet.

Krieger fragt dann noch am 50. Todestag von Pius 12 zur kontroverse Diskussion um seine Rolle der Nazizeit, ob sie nicht mal Lust habe, in die Archive des Vatikan zu gehen, um dort die Wahrheit zu erforschen. Worauf sie natürlich mit Leichtigkeit antworten kann, es liege ja alles vor. Und sie hat ja auch schon erklärt, warum „man“ damals zurückhaltend sein musste, um „seine eigenen Leute vor der Gaskammer zu schützen“.  Die eigenen Leut waren nicht die  anderen Leut eines anderen Glaubens und eines anderen Volkes.

Wenn die Fürstin von „uns“ redet und unserem Auftrag, meint sie uns Kirchenfürsten. Andere Menschen, die ihre eigenen Leute schützen mussten, meint sie wohl kaum in ihrem feudalen kirchen-fürstlichen Raum, in dem sie sich bewegt – oder meint sie, um sagenwermal auf der irdischen Vermögensebene der Geld-Adel-Verwandschaften zu bleiben, die Familien Krupp oder Quandt, welch letztere mit eigener Gasproduktion ihren eigenen Leuten sehr zu nützen verstand?

Und heute, wo es keine Gaskammern mehr gibt, wie die Fürstin auch noch verkündet, da gibt es immer noch den Seelenretter, der die Leben vor dem Holocaust, den die Frauen begehen, zu schützen versteht. (Wenns nach Firma Meisner&co ginge, dann findet der Holocaust haute in Israel statt, begangen von Jüdinnen, die nach liberalen Gesetzen abtreiben dürfen, und müssten die deutschen Bischöfe auch die Jüdinnen in Israel, die dort nach liberalen Gesetzen abtreiben dürfen, am Holocaust hindern, oder? Und Kardinal Martino weiss auch, wo die KZs heute sind, in Gaza!)

So wie die alten Nazis im Fernsehen immer so schmunzeln, wenn sie von der Vergangenheit schwärmen, so schmunzelte der Kirchenfürst in der TV-Sendung mit der Fürstin, die ihn an die gute alte Zeit vor der gottlosen Demokratie erinnert haben muss, der gegenüber die Firma Pius&Nachf. endlich das Appeasement aufgeben möchte, um wieder zu den paradiesischen Zeiten ihrer irdischen Glorie zurückzukehren.

Regine van Cleev 1.Nov. 2008

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